Montag, 28. November 2011

Nachdenken über ein Checkverbot

Ich habe meinen Blog seit Mitte 2010, von der Übersicht zu den ausländischen Spielern einmal abgesehen, nur noch zur Weitergabe von Streethockeyresultaten benutzt. Die geschah ganz bewusst, da sich aus meiner Sicht ein Verbandsfunktionär zurückhalten sollte.
Dass ich dieses Schweigen nun breche, hat einen Grund. Ich will damit die Diskussion über ein Thema anreissen, welches mir schon länger unter den Nägeln brennt und das, so finde ich, in der Schweizer Streethockey-Szene breit diskutiert werden sollte: Sollten wir nicht – dem internationalen Regelement folgend – ein Checkverbot in der Schweizermeisterschaft einführen?
Ich habe diese Frage schon mit verschiedenen Personen unter vier Augen oder in einer kleinen Gruppe diskutiert. Die Reaktion ist oft dieselbe: "Ein Checkverbot? Spinnst Du, da können wir ja gerade so gut Unihockey spielen gehen. Checks sind ein wichtiges Element des Streethockeys. Ohne Checks verliert das Streethockey an Attraktivität!". Aber ist das so, verlöre unsere Sportart an Attraktivität, wenn Checken verboten wäre?
Aber was heisst das eigentlich "Checkverbot", wie würde das regeltechnisch umgesetzt?

Checkverbot, die reglementarische Seite
Das Checkverbot ist im neuen ISBHF-Reglement festgeschrieben. Dieses wurde allerdings von der Schweiz noch nicht übernommen, vor allem deshalb, weil die deutsche Übersetzung fehlt. Eine Einführung müsste im Übrigen nicht heissen, dass das Checkverbot zwingend übernommen werden müsste, aber das nur am Rande erwähnt. Hier also der Orignialtext aus dem ISBHF-Reglement:

"A Minor penalty or, at the discretion of the Referee, a Major penalty + Automatic Game Misconduct penalty (5’+GM) shall be Assessed any player who, in the opinion of the Referee, intentionally body checks, bumps, shoves or pushes any opposing player. If a player is injured, a Major penalty + Automatic Game Misconduct penalty (5’+GM) must be assessed.

When the offensive player is running towards the defensive player, the defending player may not hit the offensive player by going in the opposite direction to that player. The body contact must be as a result of the movement of the offensive player. There must be no action where the offensive player is pushed, checked or shoved into the boards. Where, in the opinion of the Referee, accidental contact has taken place, no penalty shall be assessed.

A minor penalty shall be inflicted were the physical impact of the player body checking his opponent is considered not to be violent. In case of a violent physical impact, the referee may inflict a major penalty + Automatic Game Misconduct penalty especially if the body check is executed in a way, that the health of the checked player iscearely endangered"

Kurz zusammengefasst heisst dies, es darf kein absichtlicher Körperkontakt dadurch entstehen, dass sich ein verteidigender Spieler in die Richtung des ballführenden Spielers bewegt. Ein legaler Kontakt kann jedoch entstehen, indem der Ballführende auf den Verteidiger aufläuft, sei es dass dieser dabei die Position hält oder sei es, dass dieser den Ballführenden beschattet.

Sinngemäss ist ein Körperkontakt auch möglich, wenn zwei Spieler einem Ball nacheilen. Solang sie beide Schulter an Schulter oder Körper an Körper in Richtung Ball laufen, ist es durchaus legitim, wenn es zum Körperkontakt kommt. Ja es ist sogar zulässig, dass dabei ein Spieler gegen die Banden gedrückt wird. Immer vorausgesetzt, dass sein Gegenspieler dabei in Richtung des Balls läuft und der Kontakt dadurch zustande kommt. Sobald ein Spieler nicht mehr gegen den Ball läuft, sondern seine Laufrichtung in Richtung seines Gegenspielers verändert und der Kontakt so zustande kommt, liegt ein Regelverstoss vor.

Natürlich bleibt es auch möglich, an der Bande intensiv um den Ball zu kämpfen. Kommt es dabei zu Körperkontakt ist das legal, solange es nicht zu einer klaren Bewegung in Richtung des Körpers des Gegners kommt. Auch Positionskämpfe vor dem Tor sind nach wie vor möglich.

Soviel zu den Regeln. Ein Checkverbot ist also keinesfalls identisch mit einem körperlosen Spiel.

Wieso braucht es ein Checkverbot?
Einige meiner Leser werden von meiner nächsten Aussage sicherlich überrascht sein. Es braucht ein Checkverbot, damit das Streethockey attraktiver, athletischer, schneller wird. Es reicht nicht mehr, sich dem ballführenden Gegner einfach in den Weg zu stellen und ihm im entscheidenden Moment mit einer Charge vom Ball zu trennen oder ihn an die "Banden zu nageln". Es ist vielmehr nötig, dass der Verteidiger mit dem Angreife mithalten kann, ihm den direkten Weg zum Tor verunmöglicht oder ihn sogar soweit überläuft, dass er ihm den Ball vom Stock schlagen kann.
Doch das ist nicht alles. Ein Checkverbot schützt auch die Gesundheit der Spieler. Die gefährlichsten Checks sind diejenigen, welche ein Spieler nicht kommen sieht, hier kann es relativ rasch zu schlimmen Verletzungen kommen. Es gab in der Vergangenheit schon einige Gehirnerschütterungen durch Checks. Es gab Verletzungen durch Checks im Bandenbereich, bis hin zu Knochenbrüchen.
Checks, gerade in Bandennähe trage auch dazu bei, dass Spiele überhart geführt werden. Wir ein Spieler gecheckt, insbesondere im Bereich der Bande, so hat er oft das Gefühl unfair angegangen worden zu sein. Das mag in einigen Fällen stimmen, in anderen nicht. Wird nun keine Strafe verhängt, so ist für den Betroffenen die Versuchung gross, das "Gesetz" in die eigenen Hände zu nehmen.
Schliesslich ist die Tatsache, das checken erlaubt ist, ein Grund für viele Eltern, ihre Kinder nicht ins Streethockey zu schicken. Daran ändert auch die Tatsache, dass bei den B- und C-Junioren Checks inzwischen verboten sind. Denn Eltern schauen auch Junioren A und Aktivenspiele an und dort wird nach wie vor gecheckt.
Hat ein Checkverbot auch Nachteile? Nun ja, es wird wohl einige Zuschauer geben, die enttäuscht sind, wenn es an den Banden nicht mehr so kracht, vielleicht werden sie fern bleiben. Dafür dürften aber neue kommen, die ein dynamischen, technischen und physisch anspruchsvollen Sport sehen wollen.

Erfahrungen mit dem Checkverbot in Kanada
Kanada führte vor rund zehn Jahren als erste der grossen Streethockey-Nationen ein Checkverbot ein. Man war sehr skeptisch und möglicherweise wurde der Entscheid nur gefällt, weil einige Versicherungen Druck ausübten, da die Zahl der Verletzungen recht gross war. Im Nachhinein, wird dieser Entscheid als der einzig richtige betrachtet. Die Zahl der Mitglieder hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt, die Zahl der Juniorenspieler vervielfacht. Natürlich ist dieser Anstieg nicht nur auf das Checkverbot zurückzuführen, aber es hatte einen entscheidenden Einfluss.
Interessanterweise wurde aber auch das Spiel attraktiver, schneller, athletischer.
Ich gebe gerne zu, dass ich dem Checkverbot während langer Zeit sehr kritisch gegenüber stand. Meine Argumente deckten sich mit den Argumenten, welche ich heute zu hören bekomme. Für meinen Meinungsumschwung waren drei Dinge verantwortlich:
Þ Die Diskussionen mit Ken St. Amant, dem SR-Obmann der ISBHF im Vorfeld der Einführung der neuen Regeln,
Þ ein längeres Gespräch mit dem ISBHF Präsident Dominic DiGironimo über die Auswirkungen der Einführung in Kanada und
Þ mein Besuch der kanadischen Meisterschaft im Sommer 2010. Das Streethockey, welches ich dort gesehen hatte war athletisch, das Beste, was ich gesehen habe. Es war physisch auch ohne Checks äusserst intensiv.

Ein Checkverbot ist aus meiner Sicht in der Schweiz dringend nötig
Eingedenk der zahlreichen Vorteile, die ein Checkverbot mit sich, bin ich ganz klar der Meinung, dass ein solches in der Schweiz eingeführt werden muss, um die Gesundheit der Spieler zu schützen und um den Sport attraktiver zu machen. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen, am Besten schon im Hinblick auf die Saison 2012/13. Mir ist aber wichtig, dass eine solche Regeländerung, welche doch – das will ich nicht verhehlen – für unseren Sport eine einschneidende Richtungsänderung bedeutet, breit abgestützt ist und von den Vereinen mitgetragen wird. Deshalb schreibe ich auch diesen Blog-Eintrag und deshalb beabsichtige ich, ein mögliches Checkverbot auch an der kommenden Präsidentenkonferenz anzusprechen und die Meinung der Vereine hierzu abzuholen, bevor ich mit einem entsprechenden Antrag in den Vorstand gehe.

Streethockeyresultate vom 26./27. November 2011









Montag, 26. September 2011

Dienstag, 17. Mai 2011

Resultate vom 14./15. Mai





Mit diesem Beitrag endet die Resultatmeldung der Schweizer Meisterschaft 2010/11. Die Ergebnisse aus dem internationaeln Bereich werden nach wie vor auf meinem internationalen Blog veröffentlicht.






Dienstag, 26. April 2011

Montag, 11. April 2011

Donnerstag, 7. April 2011

Dienstag, 29. März 2011

Dienstag, 22. März 2011

Montag, 7. März 2011

Montag, 28. Februar 2011

Montag, 14. Februar 2011

Montag, 7. Februar 2011