Die Qualifikationsrund ging gestern Donnerstag zu Ende. Midnight Express und Neufundland haben ihre Gruppen souverän gewonnen. Manitoba konnte auch gegen Midnight nicht über die volle Zeit spielen, auch diese Partie wurde nach dem 0:7 Rückstand vorzeitig beendet. Dank einem 3:0 Sieg über die Surrey Gigants aus BC qualifizierte sich das Team aber doch noch für die Viertelfinals.
Die Geschichte dieser Spiele ist rasch erzählt. Die Favoriten setzten sich mehr oder weniger klar durch. Die Black Knights aus Montreal - vor zwei Jahren noch stolzer Sieger - wurden von Midnight Express förmlich überrollt. New Brunswick erging es gegen Neufundland auch nicht viel besser. Vancover bekundete gegen Manitoba anfangs mehr Mühe, gewann aber am Ende klar mit 6:3. Redlite hatte in den ersten 30 Minuten erhebliche Probleme gegen die aufsässigen Spieler von Toronto Thunder, gewann aber dann doch klar.
Ganz anders die Halbfinalspiele. Im ersten Spiel sah es lange danach aus, als würde auch Vancover Falcon Machine vom Midnight Express überholt. Das Team aus Ontario führte rasch mit 2:0 und hatte das Spiel fest im Griff, bis man kurz vor Ende der ersten Hälfte (an der kanadischen Meisterschaft wir 2 x 20 Minuten gestoppt gespielt) einen Shorthander einfing und kurz nach der Pause noch den Ausgleich. Der Expresszug wurde plötzlich zu einem Bummelzug, die sonst so einwandfreien Kombinationen funktionierten gar nicht mehr und es roch nach einer Sensation für Vancover. Bis, ja bis die Mannschaft aus BC während zwei Minuten in doppelter Unterzahl spielen musste. So etwas sollte einem gegen Midnight nicht passieren, 3:2. Gelaufen war das Spiel damit noch nicht. Die Entscheidung viel erst in der Schlussminute durch ein höchst kurioses Tor. Vancover hatte den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt und konnte ein Offensivbully spielen. Dieses wurde souverän gewonnen und der Ball mit Schwung auf den Verteidiger an der blauen Linie gespielt. Bloss der stand überhaupt nicht dort wo der Ball hingespielt wurde. Der Ball wurde dann länger und länger und rollte schliesslich ins Tor der Falcons.
Auch der zweite Halbfinal war an Spannung und Dramtik kaum zu überbieten. Neufundland, angefeuert von rund 1'000 fanatischen Zuschauern, dominierte die erste Hälfte gegen Redlite aus Montreal klar. Da die Chancenauswertung der Newfies einmal mehr nicht optimal war, führte man zur Spielhälfte nur mit 3:1. Dann begann eine Wahnsinnshalbzeit. Nach nur vier Minuten lag Redlite 4:3 vorn. Neufundland glich aus, Redlite legte wieder vor, Nefundland glich wieder aus und zog auf 7:5 davon, doch Redlite kam rasch wieder auf 6:7 heran und zu spielen waren immer noch acht Minuten. Bei diesem Resultat blieb es jedoch bis zum Schluss.
Somit kommt es morgen Samstag um 15.00 Ortszeit oder um 19.30 Schweizerzeit zum Finale zwischen Midnight Express und Neufundland. Wer Zeit hat, soll sich unbedingt den Livestream ansehen. Ich kann jetzt schon versprechen, das wird ein Hammerspiel!
Ich hatte jetzt vier Tage die Gelegenheit, die kandadischen Spitzenteams etwas genauer zu strudieren. Ja, es gibt in Kanada einige Ausnahmekönner aber die übrigen Spieler sind stocktechnisch und auch läuferisch nicht stärkter als die guten Schweizer Spieler und auch die Spielintelligenz ist teilweise nicht wirlich überragend. Was uns fehlt, ist die Grossfelderfahrung, das taktische Verständnis auf dem Grossfeld. Wenn wir das erwerben, dann sind wir in der Weltspitze mit dabei, davon bin ich nach vier Tagen Nationals überzeugter als je zuvor.
Ewas was mir hier auch aufgefallen ist, das Spiel steht mehr im Zentrum, als in Europa. Hier regt sich niemand auf, wenn ein SR in weissen Socken und weissen Turnschuhen pfeift oder nicht alle Helme die gleiche Farbe aufweisen. Womit ich nicht dafür plädieren will, dies in der Schweiz zu ändern, aber man sollte bei allen Regen, allen Vorschriften nicht vergessen, dass am Ende der Sport im Mittelpunkt steht.
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