Sonntag, 8. August 2010

Ein taktisches Meisterstück

Spiele um Platz drei machen auch in Kanada nicht viel Sinn... Zu Beginn des Spiels zwischen Vancover Falcon Machine und Red Lite standen gerade einmal gut zwei Linien der Quebecois auf dem Spielfeld. Der Rest war noch irgendwo auf dem Weg zwischen der George Street und dem Stadion. Tortzdem hatte das Team aus BC, das - im Gegensatz zu Red Lite - dem dritten Platz noch einen gewissen Wert zumass, seine liebe Mühe damit, die Montrealer zu besigen. Mit dem 4:2 Sieg sicherte Vancover der Westküste aber letzen Endes doch die erste Medaille seit 2005.

Danach ging der Damenfinal über die Bühne. In einem auf sehr gute Niveau ausgetragenen Spiel siegte Vanier United gegen Toronto Crush mit 2:0.

Dann kam es vor gut 1'500 teils fanatischen Zuschauern zum Endspiel zwischen Neufundland und Midnight Express. Auf wessen Seite den Fans standen war schon vor Spielbeginn klar als die Ode an Neufundland (quasi die Nationalhymne der Provinz) mit mehr Aplaus bedacht wurde, als die kanadischen Nationalhyme. Das Team aus Neufundland hatte sich während des Turniers von Spiel zu Spiel gesteigert und zeigt im Finalspiel gegen Midnight Express eine taktisch und kämpferisch einwandfreie Leistung. Der Titelverteidiger aus Toronto kam nie ins Spiel. Das Heimteam dominierte von A bis Z. Neufundland machte geschickt die Passwege zu und wenn die Stars aus Ontario sich doch einmal in der Zone der Heimmanschaft festzusetzen drohten, wurden sie konsequent gestört und vor dem Tor weggearbeitet. Der Sieg fiel mit 2:0 zu niedrig aus, denn eine Schwäche konnte die Heimmannschaft bis zum Schluss nicht ganz ablegen, die mangelnde Chancenauswertung.

Wie kommt es, dass ein Team quasi aus dem Nichts kanadischer Meister werden kann? Nun, vor gut einem Jahr reiste der Chefcoach der kanadischen Nationalmannschaft für drei Tage nach Neufundland und arbeitete intensiv mit dem zukünftigen Spielern. Klar hat es einige Topspieler darunter, aber letzten Endes war es die Teamleistung, die zum Sieg führte und die Wurzeln hierzu wurden in jenen drei Tagen im letzten Jahr gelegt.

Die Lehren für die Schweiz (aus meiner Sicht).
  1. Streethockey ohne Checks ist absolut attraktiv und überhaupt nicht körperlos. Wir sollten die entsprechenden Bestimmungen des internationalen Reglements auf die Saison 2011/12 vollumfänglich übernehmen. In Kanada ist der Sport deutlich gewachsen, nachdem die Checks verboten wurden, gerade im Juniorenbereich schwanden die Vorbehalte vieler Eltern.
  2. Technisch und läuferisch sind die Schweizer Spitzenspieler schon heute auf einem ausgezeichneten Niveau. Was uns fehlt ist das Verständnis auf dem Grossfeld. Schaffen wir die Voraussetzuge für eine Grossfeldmeisterschaft in der Nationalliga A.
  3. Wir müssen uns in erster Linie auf das Spiel konzentrieren. Es ist nicht so wichtig, ob in einem Stulpen ein zu grosses Loch ist, wichtig ist, dass wir es den Spielern ermöglichen, ihr Spiel zu zeigen. Wechseln wir vom sturen Anwenden der Regeln zum Gamemanagement.

So, dass wars von der kanadischen Meisterschaft. Es war toll und ich werde sicher wieder einmal bei einem solchen Anlass als Zuschauer mit dabei sein. Wer Topstreethockey auf Neufundland sehen will, sollte sich besser den Juni 2013 vormerken, dann werden die Weltmeisterschaften nämlich in St. John's ausgetragen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen