Wie sieht die ideale Spielleitung im Streethockey aus?
Irgendwo auf einem Streethockeyfeld in Europa
Ein spannendes Spiel neigt sich dem Ende zu. Es steht Unentschieden. Die Teams haben den Zuschauern hochklassiges Streethockey geboten. Plötzlich ein Pfiff. Der Schiedsrichter hat irgendwo in der Spielfeldmitte einen Stockschlag gesehen und sofort eine Strafe ausgesprochen. Der Spieler, der den Stockschlag ausgeteilt hat, begibt sich murrend auf die Strafbank. Die andere Mannschaft nutzt die Überzahlsituation und erzielt den Siegtreffer. Nach dem Spiel wird der bestrafte Spieler sagen: "Ja, es war ein Stckschlag, man kann das pfeifen, aber ..."
Was heisst eigentlich "Null-Tolleranz"?
Auf den ersten Moment scheint dies eine dummer Frage. Das heisst, die Regeln werden konsequent angewendet. Eine Strafe ist eine Strafe, ist eine Strafe und bleibt eine Strafe. Nur heisst es wirklich nur das? Könnte es nicht auch heissen, jede Aktion die gegen die Gesundheit eines Spielers oder Offiziellen gerichtet ist, wird konsequent bestraft. Ein Regelfanatiker würde nun dagegenhalten, dass die Regeln nun einmal da seien, um angewendet zu werden, Ausnahmen seinen weder möglich, noch sinnvoll, noch angebracht. Was würde aber ein Zuschauer antworten, der gekommen ist, um eine schöne, flüssige Streethockeypartie zu sehen? Was würde jemand sagen, dem die Entwicklung unseres Sports am Herzen liegt?
Checkverbot
Das neue ISBHF-Reglement sieht vor, dass ein aktiver Körperkontakt, also ein Check verboten ist und mit zwei Minuten bestraft wird. In Most wurde diese Regel erstmals ausprobiert. Zugegeben, ich war etwas skeptisch. Streethockey ohne Checks, ist das überhaupt noch Streethockey, ist das nicht Unihockey. Nun, ich wurde eines Besseren belehrt. Zum einen bedeutet "keine Checks" nicht, dass jeglicher Körperkontakt verboten ist. Wenn zwei Spieler dem Ball nacheilen und dabei mit den Schultern aneinander stossen, so ist das durchaus legal. Auch an der Bande darf weiterhin mit dem Körper gearbeitet werden. Checks, gibt es keine mehr, das ist richtig, aber braucht unsere Sportart Checks? Ich denke nein. Klar fehlt ein spektakuläres Element. Aber gleichzeitig bevorteilt diese Regelung technisch versierte Spieler. Zudem wird dadurch die Verletzungsgefahr verkleinert. Der Sport wird technischer. Die Bedenken von Eltern, welche nicht so sehr davon begeistert sind, dass ihr Kinder einen so groben Sport betrieben, werden abgebaut. Ich hätte vor Most nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber: "Wir hätten die Checks schon vor Jahren verbieten sollen".
Regelkenntnisse sind Voraussetzung, ihre zur Show Stellung aber nicht Sinn und Zweck
Die Schiedsrichter müssen die Spielregeln kennen, das ist denke ich unbestritten, auch wenn es leider nicht immer auf alle Schiedsrichter zutrifft. Es ist indes aus meiner Sicht nicht nötig, dass die Scheiderichter zu jedem Zeitpunkt des Spiel für jeden sichtbar unter Beweis stellen müssen, dass sie die Regeln beherrschen und entsprechend mit Strafen um sich werfen. Diese Art der Spielführung ist gerade in Europa weit verbreitet. Die Schiedsrichter sind stolz darauf, die Regeln zu kennen und wollen dies auch zeigen, indem sie sie konsequent anwenden. Eine Strafe ist eine Strafe, ist eine Strafe und bleibt eine Strafe. Nur, die Regelkenntnis ist etwas selbstverständliches, eine Grundvoraussetzung, um Schiedsrichter zu sein. Etwas das Wichtig ist, aber nichts worauf man als Schiedsrichter besonders stolz sein muss. Nichts, dass man a tout prix zeigen muss.
Spiel-Management
Die Hauptaufgabe eines Schiedsrichters ist also nicht, dem Publikum und den Mannschaften zu beweisen, dass er die Regeln kennt. Seine Hauptaufgabe ist es, den Mannschaften ein Spiel zu ermöglichen, indem sie ihre technischen und taktischen Fertigkeiten unter Beweis stellen können und sie gleichzeitig vor Verletzungen zu schützen. Die Fähigkeiten und die Tagesform der Spieler sollen über den Ausgang einer Partie entscheiden können, die Aufgabe des Schiedsrichters ist es, dafür zu sorgen, dass dies in geordneten Bahnen abläuft.
Jegliche Regelverstösse, die gegen die Gesundheit der Spieler gerichtet sind müssen demzufolge ohne wenn und aber geahndet werden. Darunter fallen z.B. Stockstiche, Bandencheks, Crosschecks, Checks in den Rücken oder gegen den Kopf aber auch normale Checks.
Ebenso sind Regelverstösse, die einen Gegenspieler einer klaren Torchance berauben konsequent zu ahnden.
Aber wie sieht es mit den übrigen Regelverstössen aus? Sicher sind die nicht einfach zu tollerieren und gerade in der Anfangsphase des Spiels ist den Spielern aufzuzeigen, wieweit sie gehen können und wo die Grenzen sind. Gerade, wenn eine Mannschaft immer wieder zu unfairen Mitteln greift, um einen technisch und taktisch überlegenen Gegner aus dem Konzept zu bringen sind Strafen durchaus angezeigt. Mit der Fortdauer des Spiels werde die Teams dann wissen, was erlaubt ist, die Zahl der Strafen geht zurück und es kann sich ein gutes Spiel entwickeln.
Bei engen Spielen zwischen ebenbürtigen Teams, sollten tendenziell in der Schlussphase nur noch Vergehen gegen die Gesundheit der Gegenspieler und regelwidrig zu Nichte gemachte Torchancen mit Strafen geahndet werden. Über "harmlosere" Dutzendfouls kann ein Schiedsrichter in dieser Phase durchaus hinweg sehen. Er wird sowieso nie alles sehen, was zwischen den Spielern abläuft. In dieser Phase sollen die Spieler das Spiel entscheiden, nicht die Schiedsrichter.
Es gibt auch andere Situationen, in denen ein Schiedsrichter die Regeln etwas grosszügiger auslegen kann. Soll man gegen eine Mannschaft, die hoffnungslos in Rückstand liegt, konsequent für jedes noch so kleine Vergehen eine Strafe verhängen?
Spinnt er jetzt oder was?
Nein, ich bin absolut normal, zumindest glaube ich das. Mir liegt einfach vieles daran, dass die Schiedsrichter ihre Rolle richtig verstehen und sie so ausüben, wie es für das Spiel am Besten ist.
Meine persönliche Meinung, zweifelsohne. Muss man sie berücksichtigen? Natürlich nicht, denn in meinem Blog gebe ich nur mein persönliche Meinung kund. Und doch würde ich mir wünschen, dass sich die europäischen Schiedsrichter im Allgemeinen und die SSHR im Besonderen darüber Gedanken machen, ob nicht die von mir angeregte Art und Weise der Spielleitung erstrebenswert wäre, zum Wohle des Sports.
Nur ganz nebenbei möchte ich erwähnen, dass sich die ISBHF anlässlich von internationalen Anlässen von Schiedsrichtern genau diese Art des Spiel-Managements wünscht. Gerade für diejenigen europäische Schiedsrichter, für die eine Regel eine Regel ist, eine Regel ist und eine Regel bleibt, ist es nicht ganz einfach, die Vorgaben der ISBHF umzusetzen.
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