Die Fakten
Am Samstag, dem 7. November 2009 trafen in Lenzburg im Rahmen der ersten Partie eines Doppelwochenendes die Seetal Admirals auf den SHC Martigny. In einer engen Partie setzten sich die Gastgeber mit 8:7 durch. Betrachtet man den Matchrapport so gab es bis zum Spielende 3 x 2 plus 10 Minuten gegen die Admirals und 6 x 2 plus 10 Minuten gegen Martigny. Es kann sich also – eingedenk der in der Tendenz eher kleinlichen Spielleitung der SSHR in der laufenden Saison – nicht um eine besonders unfaire Partie gehandelt haben. Nun, nach Spielschluss kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung, die ziemlich offensichtlich vom SHC Martigny ausging. Die Schiedsrichter verhängten die folgenden Strafen: Ein Spieler von Seetal Admirals erhielt 5 plus Spieldauer, zwei weitere Spieler je 2 x 2 Minuten. Ein Spieler des SHC Martigny erhielt eine Matchstrafe, ein weiterer 5 plus Spieldauer und zwei weitere Spieler je 2 x 2 Minuten. Es wurde ein SR-Rapport erstellt, aufgrund dessen die beiden Martignyspieler erhebliche Sperren aufgebrummt erhielten.
Seites der Seetal Admirals wurde die TK-Chefin kurz nach Spielschluss kontaktiert und über den Vorfall nach Spielschluss informiert. In diesem Gespräch wurde offenbar auch angetönt, dass man unter diesen Umständen am nächsten Tag nicht nach Martigny fahren werde. Die TK-Chefin besprach sich umgehend mit dem TK-Chef der unteren Ligen, welcher den einen Schiedsrichter dieser Partie anrief. Dieser widersprach in vielen Punkten der Darstellung der Seetal Admirals, die Partie sei mit Ausnahme der Schlussminuten durchaus nicht unfair gewesen. Die Szene am Ende war sicher unschön aber auch nicht so gravierend, dass ein Spiel am kommenden Tag nicht in Frage käme. Seitens der SSHA wurde entschieden, dass das Spiel durchzuführen sei, wobei die vorgesehen Schiedsrichter ausgewechselt würden. Die Seetal Admirals wurden darüber Informiert und auch darüber aufgeklärt, dass die Erklärung eines Forfaits, eine automatischen Relegation in die NLB zur Folge hätte. Diese Erklärung wurde seitens der SSHA am Morgen des 8. Novembers erneut weiderholt. Die Seetal Admirals waren jedoch nicht bereit in Martigny anzutreten, weil sie – so ihre Aussage – nicht über genügend gesunde Spieler verfügen würden. Beweise für die Verletzungen der Spieler brachten die Seetal Admirals nach meinen Informationen indes nie bei. Die SSHA entschied in bekannter Weise, die SK lehnte den Rekurs ab und die Admirals zogen die erste Mannschaft per sofort aus der NLA zurück und veröffentlichten auf ihrer Website einen Rundumschlag gegen alles und jeden.
Bewertung
Das Verhalten des Verbands
Das Verhalten des Verbands war aus meiner Sicht korrekt. Man hat den Schiedsrichter angehört und aufgrund dessen Aussage entschieden die Partie durchzuführen. Man hat die Seetal Admirals vorgängig über die Folgen eines Nichtantretens informiert. Der Entscheid der SSHA entsprach den Vorgaben des Reglements. So gesehen kann dem Vorstand kein falsches Verhalten vorgeworfen werden. Aber musste er so entscheiden? Natürlich, würde wohl ein Jurist antworten. Aber ich bin Historiker nicht Jurist und habe deshalb zuweilen einen etwas anderen Ansatz. Muss Recht immer buchstäblich ausgelegt werden, oder muss man sich nicht die Frage stellen, was der Gesetzgeber mit einem bestimmten Artikel bezwecken wollte und sich bei der Urteilsfindung davon leiten lassen? In der höchsten Liga eines Landes ist es sicher nicht wünschenswert, wenn Teams forfait erklären. Dies wirft ein schlechtes Licht auf eine solche Meisterschaft. Von einer Mannschaft in der ersten Spielklasse kann und darf man erwarten, dass sie in der Lage ist, zu Meisterschaftsspielen anzutreten. In der Vergangenheit war es wiederholt zu Forfaiterklärungen gekommen, so dass die Stimmen die nach einer Regelung verlangten, die ein solches Verhalten effektiv verhindern würde, immer lauter wurden. Die Regelung die schliesslich gefunden wurde ist sattsam bekannt. Wer Forfait erklärt, wird zwangsrelegiert. Nun, haben wir es aber mit einer besonderen Situation zu tun, einer Aggression gegen Spieler einer Mannschaft gegen die man am kommenden Tag wieder antreten muss, dies kann durchaus als Einschüchterungsversuch gewertet werden. Die SSHA hätte also prüfen können ob unter diesen Umständen, nicht auf den Zwangsabstieg verzichtet werden könnte, weil der Gegner sich ebenfalls unfair verhalten hätte. Das Forfait hätte natürlich verhängt werden müssen, ebenso alle Bussen die in diesem Zusammenhang fällig wurden, aber anstelle eines Zwangsabstiegs hätte man es bei einem Zwangsabstieg auf Bewährung belassen können. Ev. wäre Kritik am Vorstand laut geworden, aber diese wäre wohl weniger stark gewesen; viele hätten wohl sogar von einem klugen Urteil gesprochen. Aber wie gesagt, der Vorstand konnte auch so entscheiden, wie er entschieden hat.
Das Verhalten der SK
Hätte sich die Strafkommission anders entscheiden können. Nun, die SK muss in erste Linie prüfen, ob die SSHA bei ihrem Urteil die verfahrensmässigen Rechte aller Parteien berücksichtigt hat, ob die Urteile den Statuten und Reglementen entsprechen und ob das Strafmass vernünftig ist. Dies konnte die SK in allen Punkten bejahen. Allerdings gilt auch hier, man hätte den Weg gehen können, den ich schon beim Vorstand beschrieben habe.
Das Verhalten des SHC Martigny
Nun, eine Schlägerei nach Spielschluss anzuzetteln, spricht nicht unbedingt für eine Mannschaft, ist aber – leider – auch nicht allzu ungewöhnlich. Wollten die Walliser den Gegner vom Spiel des nächsten Tages einschüchtern, gut möglich. Wollten sie ihn dazu zwingen Forfait zu erklären und so den eigenen Abstieg zu verhindern, wie dies auf der Website der Admirals impliziert wird? Sicher nicht. Zwei Spieler sind offenbar völlig ausgeratet und wurden entsprechend bestraft, schon das alleine lässt eine geplante Aktion unwahrscheinlich erscheinen. Alles in allem, Martigny hat sich in Lenzburg nicht mit Ruhm bekleckert und seine Spieler haben sich nicht korrekt verhalten (und wurden dafür bestraft) nicht mehr, nicht weniger.
Das Verhalten der Seetal Admirals
Es ist sicher nicht angenehm und der Spielfreude förderlich, wenn man am Ende eines Spiels von gegnerischen Spielern massiv angegriffen wird. Frustration und Wut sind verständlich, auch Gedanken daran, am kommenden Tag nicht anzutreten. Nur diesen Entscheid zu fällen und gegen den Verband durchziehen, ist ein fragwürdiges Vorgehen. Der Verband ist bei seiner Entscheidfindung auf neutrale Darstellungen der Ereignisse angewiesen. Neutral ist der Schiedsrichter, deshalb kommt seinen Aussagen ein besonderes Gewicht zu. Zwar ist eine Stellungnahme des Schiedsrichters nicht sakro-sankt, aber es braucht schon handfeste Beweise, um die Stellungnahme eines Schiedsrichters zu entkräften. Diese wurden von den Admirals nicht beigebracht. Es fehlten ärztliche Zeugnisse von den angeblich verletzten Spielern. Diese wären zweifellos erhältlich gewesen und ich denke, der Verband hätte sie eingedenk der knappen Zeit auch akzeptiert, wenn sie erst am Montag ausgestellt worden wären. So aber haben wir lediglich den Entscheid der Seetal Amdirals, nicht anzutreten und dieser Entscheid wurde nun gegen den Verband durchgedrückt, in voller Kenntnis der Folgen. Klar sind aus Sicht der Admirals die Bestimmungen des Regelemtes falsch. Nur, weil man ein Gesetz für falsch hält, heisst das nicht, dass man sich nicht daran halten muss. Letzten Endes hätte es auch die Möglichkeit gegeben, unter Protest anzutreten und das Verhalten des SHC Martigny untersuchen zu lassen. Auch von dieser Variante hat man nicht Gebrauch gemacht. Kurzum, man wollte seine Interpretation der Situation und der Regeln durchsetzen, um jeden Preis. Ein Fehlentscheid der Verantwortlichen, der massive Folgen für den Verein hat. Die Admirals werden dagegen halten, man hätte mit Verständnis und milde auf Seiten des Verbandes gerechnet. Klar wäre das möglich gewesen, aber es war ein Glückspiel.
Die ganze Aktion erwiest sich als tragischer Bumerang für die Admirals. Sie wurden in die NLB zwangsrelegiert. Anstatt die eigenen Fehler einzugestehen, wird aber nun aus allen Rohren auf den Verband geschossen und auf die Regeln, welche den Admirals ein Dorn im Auge sind. Die Frustration und die Wut über die Fehleinschätzung der Situation sind zu verstehen, der Rundumschlag nicht, zumindest etwas Selbstkritk müsste auch mit durchscheinen. Die von den Admirals bemängelten Bestimmungen sind dazu da, das Niveau in der Nationalliga A hoch zu halten und den Nachwuchs zu fördern. Von jemandem, der in der höchsten Liga spielen will, kann und darf man in jeder Sportart erwarten, dass er einen gewissen Aufwand betreibt, der nicht nur sich sondern auch dem Sport zu Gute kommt. Wer dies nicht will, dem stehen die unteren Ligen offen.
Fazit
Ich denke die Admirals haben durchaus die Möglichkeit oben mitzuspielen. Sie müssen aber lernen, und das werden sie auch – davon bin ich überzeugt – dass sie auch diejenigen Regeln einhalten müssen, die aus ihren Augen falsch sind.
Dem Verband sei mitgegeben, dass es immer auch Möglichkeiten gibt, im Sinne des Sports und nicht nur im Sinne des Gesetzes zu entscheiden. Wie er mit dem Rückzug der Admirals umgeht, wird zeigen, ob man hier etwas gelernt hat.

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