Montag, 22. Februar 2010

Wenn das Geld knapp wird ……

Griechenland ist pleite, das Land braucht Geld. Die EU kann oder will den Hellenen finanziell nicht unter die Arme greifen. Das Land ist ein Fall für den internationalen Währungsfonds. Die SSHA hat seit der Affäre "Leuenberger" auch einen finanziellen Engpass. Der IWF wird nicht einspringen, die EU brauchen wir gar nicht zu fragen und auch in der Schweiz wird es keine Institution geben, die unseren Sport unterstützt. Steht das Streethockey in der Schweiz deshalb vor dem Aus?

Natürlich nicht, finanzielle Unterstützung von aussen wäre zweifelfrei hilfreich, aber es geht auch ohne. Das Streethockey in der Schweiz ist unbestritten in der grössten Krise seit der Gründung der SSHA, das lässt sich nicht weg diskutieren. Aber am Ende sind wir noch lange nicht!

Was gilt es nun zu tun? Logisch, Geld auftreiben, Sponsoren suchen. Bloss die Sponsoren sind in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht gerade erpicht darauf, einer Randsportart unter die Arme zu greifen. Klar hier muss man dranbleiben, weitersuchen, Absagen wegstecken. Nur, darauf zu warten, dass Geld rein kommt, das können wir uns nicht leisten. Wir müssen mit den beschränkten Mitteln die wir haben sinnvoll haushalten.

Kurzfristig präsentiert sich die Situation nicht so schlecht. Dies nicht zuletzt dank der Darlehen der Vereine. Aber diese Kredite müssen im Herbst 2011 zurück gezahlt werden und da könnte es eng werden. Also ist Sparen angesagt, zumindest bis die Darlehen zurück bezahlt sind und die Kriegskasse wieder voll ist.

Betrachten wir uns das aktuelle Budget. Ich kenne es nicht im Detail, aber weiss genug darüber um einige Punkte festzuhalten. Das Budget hat einige grosse Posten: Die Schiedsrichter, die Nationalmannschaften, den Vorstand, den Generalsekretär, die Ligabetreuer und die Medaillen und Pokale. Wo kann gespart werden?

Ich denke man kann 20 Vertreter der Schweizer Streethockey Szene fragen, wo gespart werden soll und man wird 20 verschiedene Antworten erhalten. Ein Spieler der 2. Liga würde vorschlagen bei den Schiedsrichtern zu sparen oder bei den Nationalmannschaften. Ein Schiedsrichter würde wohl bei den Nationalmannschaften sparen wollen, ein Spieler des SHC Erlinsbach bei den Medaillen und Pokalen. Ein Juniorennationalspieler bei den Schiedsrichtern und den Ligabetreuern etc.

Beim Sparen besteht immer das Bestreben, Kürzungen so vorzunehmen, dass die eigenen Interessen möglichst nicht tangiert werden. In der aktuellen Situation müssen aber die Eigeninteressen über Bord geworfen werden. Die Frage muss lauten "Mit welchen Einsparungen können wir den Verband wieder auf eine gesunde finanzielle Basis stellen, ohne seine Aufgaben und Interessen mehr zu schädigen als absolut nötig?"

Als ich vor Jahresfrist nach dem "Leuenberger Zwischenfall" die finanzielle Situation des Verbands analysierte kam ich zum Schluss, dass eine Refinanzierung – notfalls ohne Kredite von Seiten der Vereine – machbar wäre, wenn man dort wo irgendwie möglich die Budgetposten um 20 % reduzieren würde. Nun, wie sähe das für die einzelnen Posten aus?

Generalsekretär: Hier lässt sich am wenigsten kürzen. Es gibt gesetzlich Bestimmungen bezüglich Lohn und Lohnnebenkosten. Ein Verzicht auf einen Generalsekretär wäre zwar eine Option, aber dies würde anderswo Arbeit und Entschädigungsansprüche kreieren.

Ligabetreuer: Ich denke hier sind Abstriche von 20 % verkraftbar. Klar ist es nicht schön, wenn man für die gleiche Arbeit weniger erhält, aber wenn es darum geht, die Existenz des Sports zu sicheren, dann denke ich wäre hier ein Verzicht möglich. Ev. ist hier die Möglichkeit zur Einsparung noch grösser. Die SSHA testet im Moment die Onlineerfassung der Resultate direkt durch die Klubs. Wenn es funktioniert braucht es keine Ligabetreuer mehr. Allenfalls noch zwei Qualitätsverantwortliche und Ansprechpersonen mit den entsprechenden Einsparungen.

Vorstand: Auch hier wäre aus meiner Sicht eine Kürzung um 20 % durchaus vertretbar. Wenn der Verband den Gürtel enger schnallen muss, dann hat auch die Verbandsführung ihren Beitrag zu leisten.

Pokale und Medaillen: Auch hier besteht Sparpotenzial. Nicht bei den Pokalen (es sei denn, der Verband will mit jedem Pokal auch noch eine Lupe abgeben, damit man das Teil auch noch sehen kann) aber bei den Medaillen. Diese werden halt vorübergehend etwas kleiner.

Nationalmannschaften: Es sind Stimmen laut geworden, diese ganz zu streichen. Ein verlockender Gedanke. Wir streichen die drei Juniorennationalmannschaften für 2010, hiervon sind etwa 70 Spieler betroffen, mehr nicht. Zudem haben wir den Vorteil, dass hier noch kaum kostenpflichtige Leistungen erbracht wurden. Hingegen wurde ein Grossteil der übrigen Leistungen die entschädigungsberechtigt sind, schon getätigt, eine Kürzung im Geschäftsjahr 09/10 ist nicht mehr so einfach möglich. Der Entscheid die Nationalmannschaften für das aktuelle Jahr zu streichen, würde zu einem grossen Imageverlust führen. Zudem würden Projekte wie die U16/18 WM 2012 und die WM 2015 damit erheblich gefährdet, unsere ohnehin nicht starke Position bei der Sponsorensuche geschwächt. Natürlich müssen auch die Nationalteams ihren Beitrag zur Kostenreduktion leisten. Theoretisch könnten wir von den Weltmeisterschaften 2011 ausgeschlossen werden. Dies ist zwar eher unwahrscheinlich, aber nicht von der Hand zu wesen. Es stellt sich auch die Frage, welchen Einfluss ein solcher Rückzug auf die laufenden Platzprojekte hätte.

Klar, die Nationalteams müssen ihren Beitrag an den Sparbemühungen leisten. Die Beiträge der Spieler müssen moderat angehoben werden. Die U18 verfügt über ein eingespieltes Trainerteam und über Spieler, die schon mehrfach international zusammengespielt haben. Ähnliches gilt für die U20, auch wenn ich hier gerüchteweise von einem Rücktritt des Staffs gehört habe. Wenn zudem die U16 redimensioniert wird und noch Abstriche bei der Bekleidung gemacht werden, dann denke ich, kann bei den Nationalmannschaften in der laufenden Saison durchaus 20 % eingespart werden. Zudem ist nicht unwahrscheinlich, dass die U16/18 Anläss nur noch alle zwei Jahre stattfinden, es also 2011 keine EM gibt. Das dafür vorgesehene Geld kann 2011 also vollständig eingespart werden. Ein Teil davon könnte sogar für die Anlässe von 2010 verwendet werden.

Schiedsrichter: Sie haben schon einen grossen Teil der entschädigungsberechtigten Leistungen erbracht. Eine Kürzung im laufenden Jahr ist kaum mehr möglich. Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Budgetvorgaben hier genauestens eingehalten werden. Mehrausgaben sind nicht drin. In der kommenden Saison müssen auch hier Abstriche gemacht werden. Die Spesen können durchaus um 20% gekürzt werden. Da die Beträge, welche von den Mannschaften direkt bezahlt werden unverändert bleiben, dürften sich die effektiven Verluste der Schiedsrichter auf kaum mehr als 10 % belaufen. So könnte man sogar die gleiche Anzahl Spiele leiten wie im laufenden Jahr. Ein Verzicht auf die Leitung von Junioren A Qualifikationsspielen wäre ebenfalls prüfenswert. Angesichts der dünnen Personaldecke der SSHR wäre sogar zu überlegen, während ein oder zwei Jahren einzelne NLA Spiele wieder durch Vereins SR leiten zu lassen. Hingegen wäre es völlig falsch, die SSHR abzuschaffen, selbst wenn damit die Finanzprobleme der SSHA auf einen Schlag gelöst wären. Die SSHR sind ein Schritt in die richtige Richtung, nur im Moment können wir den Weg nicht weiter gehen sondern wir müssen einen Moment inne halten, bis sich die SSHA wieder stabilisiert hat.

Nun, in der laufenden Saison können wir nicht die Einsparungen machen, die nötig sind, um die Hälfte der Darlehenssumme rein zu holen, es sei denn, wir würden die Nationalmannschaften gänzlich streichen. Wir können aber die nötigen Kosten problemlos rein holen, wenn wir in diesem Jahr bei den Nationalmannschaften etwas sparen und im kommenden Jahr die einzelnen Budgetposten entsprechend kürzen.

Diese Kürzungen hätten eigentlich schon im Budget 09/10 auftauchen sollen. Sie sind es nicht. Die SSHA war wohl zu optimistisch im Hinblick auf mögliche Sponsoren. Die Schuld jedoch alleine bei der SSHA zu suchen. Die Vereine haben einem Budget zugestimmt, das nicht geeignet war, die nötigen finanziellen Mittel für die Rückzahlung der Schulden bereit zu stellen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass sowohl der Verband wie die Vereine aus der aktuellen Situation die richtigen Schlüsse ziehen, und dass das Budget 10/11 vernünftig ausfällt und die nötigen Kürzungen vorgenommen werden. Naja, vielleicht bin ich nicht gänzlich davon überzeugt, dass es zu einem solch vernünftigen, verantwortlichen Handeln kommt, aber ich hoffe es doch sehr.

Um den Juniorennationalspielern einen Teil der Mehrkosten abzunehmen, wäre es prüfenswert, so rasch wie möglich, einen Verein der Fans der Schweizer Streethockey Nationalmannschaften zu gründen. Mitgliederbeitrag 100 CHF (oder freiwillig auch mehr). 75 % der Beiträge direkt an die Nationalmannschaften, max. 10 % für die administrativen Belange des Vereins, 15 % für Anlässe der des Vereins mit oder für die Nationalmannschaften. Ich wäre im Vorstand eines solchen Vereins mit dabei.

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