Wir schreiben das Jahr 2009. Bis 2015 sollen alle NLA-Teams über Spielfelder verfügen, die es erlauben 5 gegen 5 mit Offside zu spielen. Nun wie sieht die Zwischenbilanz vor Jahre nach dem Entscheid in Richtung Grossfeld aus?
Viele Vereine haben ihre Hausaufgaben gemacht und Projekte zum Bau von grossen Spielfeldern eingereicht. Die Standortgemeinden erwiesen sich bisher als überraschend kooperativ. Bis 2015 werden zahleiche Grossfelder gebaut sein. Vielleicht werden es nicht ganz alle NLA-Teams schaffen, aber die meisten.
- Grossfeldspiele sind für die Zuschauer attraktiver, da technische Mannschaften klar im Vorteil sind. Wie attraktiv sie sind, konnte man in der Schweiz letztmals an der Junioren EM 2007 beobachten.
- Auch Kleinfeldspiele können spektakulär sein, das hat der diesjährige Cupfinal gezeigt. Nur, es gab viele Tore, ein Spiel das hin und her wogte, aber wurde wirklich Klassehockey gezeigt? Man stelle sich vor, Oberwil und Belp hätten den Cupfinal auf einem Grossfeld ausgetragen, dass wäre ein Weltklassespiel geworden.
- Die Auftritte auf der internationalen Bühne haben gezeigt, dass eine Grossfeldmeisterschaft die Basis für den Erfolg ist.
- Das Streethockey in der Schweiz hat Probleme. Es gibt kaum mehr Wachstum, die Vereine haben Schwierigkeiten Junioren zu finden. Sponsoren sind rar. Viel stellen sich die Frage, ob wir uns eine Grossfeldmeisterschaft leisten können, oder ob dadurch das Streethockey endgültig zu einer geschlossenen Gesellschaft wird.
Nun, ich werde mich darauf beschränken den letzten Punkt abzuhandeln. Ich denke, wir sollten es riskieren. Es wurden viele berechtige Fragen gestellt und nachvollziehbare Probleme aufgeworfen. Ich denke mit etwas gutem Willen, kann man diese Probleme lösen.
- Teams mit zwei Mannschaften brauchen zwei Spielfelder, eines für die NLA Meisterschaft mit fünf gegen fünf, eines für die 4 gegen 4 Meisterschaft der zweiten Mannschaft.
Nein, dem ist nicht so. Der Europacup 2006 in Sierre hat gezeigt, dass das Spielfeld der Sierre Lions für ein Spiel 5 gegen 5 geeignet ist. Und in Sierre wird seit Jahren 4 gegen 4 gespielt. Müssen die Spieler der NLB oder der 1. Liga läuferisch stärker werden. Nicht unbedingt, denn auf dem Spielfeld der Lions werden auch Spiele der 2. Liga ausgetragen. Die Spieler werden natürlich in der Tendenz schneller und fitter werden, aber ist das ein Problem? - Ok, bei den Aktiven geht es ja noch, aber was machen wir mit Junioren B oder Junioren C?
Nun, für Junioren C-Spiele mit 4 gegen 4 sind die grossen Spielfelder in der Tat nicht unbedingt geeignet. Nun wieso spielt man bei den Junioren C nicht einfach 5 gegen 5 ohne Offside? Zumindest auf den grossen Feldern. Tönt im ersten Moment etwas schräg. Eine Meisterschaft, die zum Teil 4 gegen 4 respektive 5 gegen 5 gespielt wird, ist das nicht lächerlich? Ich denke nicht, die Jungs wollen Spielen, Spass am spielen haben und etwas lernen. Ob sie das bei 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 tun macht nicht wirklich ein Unterschied. Bei den C-Junioren liegt der Schwerpunkt der taktischen Arbeit beim Verhalten der Einzelspieler allenfalls bei Zweiertaktiken. Da ist es nicht wichtig, ob 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 gespielt wird.
Und bei den Junioren B? Hier ist es etwas schwieriger. Team-Taktiken spielen eine Rolle. Hier müsste man sich überlegen, ob man auf 5 gegen 5 mit Offside umsteigen will. Spielfelder dürfte es genug geben. Allerdings hätte dann nicht mehr jeder Verein ein Heimturnier. Oder man führt eine Zwittermeisterschaft durch. Die Hälfte der Spiele mit 4 gegen 4 und die andere Hälfte mit 5 gegen 5 mit Offside. Für die Halbfinal-Turniere und das Finalturnier müsste man sich dann auf einen Modus festlegen. - Aber was ist mit den Junioren A?
Naja, anstelle von Stärkeklassen könnte man einfach eine Grossfeld und eine Kleinfeldmeisterschaft durchführen. Ich sehe hier kein wirkliches Problem. - Wir haben zu wenige Spieler fürs Grossfeld.
Es wird mehr Spieler brauchen, bei einigen Vereinen wird es keine zweiten Mannschaften mehr geben.Das ist effektiv ein Problem. Aber auch hier gibt es Lösungsmöglichkeiten. Man braucht mehr Junioren. Hier wird man Lösungen suchen müssen. Ein Vorteil der grossen Spielfelder ist, dass die meisten nicht mehr bei Schulhäusern und damit mitten in überbauten Gebieten liegen. Deshalb werden weniger Nutzungseinschränkungen bestehen. Und das öffnet Möglichkeiten. Ich denke an eine Zusammenarbeit mit den Schulen. Schulsport oder regionale Schülermeisterschaften (die Tschechen und Slowaken haben hier gute Erfahrungen gemacht). Die besten regionalen Teams würden um die Schweizermeisterschaft spielen, die Sieger könnten nach Tschechien reisen. Natürlich dazu braucht es Geld, aber versuchen könnte man es. Mit dem Grossfeld wird unser Sport technischer und weniger körperlich. Das dürfte die Attraktivität des Streethockeys erhöhen. Nun, wir haben fünf Jahre Zeit nach einem sinnvollen System zu suchen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, wir müssen nur daran glauben.
Auch hier gibt es viele Möglichkeiten. Ehemalige Juniorenspieler könnten zwei oder drei Jahre uneingeschränkt in beiden Teams spielen. Spieler die neu zum Streethockey stossen (und nicht vorher in einer der höchsten Eishockey oder Unihockeyliga gespielt haben können während einer Saison uneingeschränkt in beiden Teams spielen etc. Breites Denken ist gefragt. - Das Streethockey wird noch mehr zu einer geschlossenen Gesellschaft
Wieso denn? Neue Mannschaften beginnen nicht in der NLA, sondern in der 2. Liga. Ein kleines Spielfeld reicht. Eigentlich nicht einmal dass, denn man kann ja auf Heimturniere verzichten. Das Problem sind für neue Teams die hohen Banden, denn über kurz oder lang will man ja Heimspiele haben. Und natürlich wird man sich dann entscheiden müssen, ob man ein grosses Feld oder ein kleines will. Da muss dann halt der Realismus über den unangebrachten Optimismus siegen. Ein kleines Spielfeld reicht. Und schliesslich - wie schon gesagt - die neuen Spielfelder dürften weniger Nutzungseinschränkungen haben. Wieso sollte also nicht eine 2. Ligamannschaft im Einzugsgebiet eines Grossfelds ihre ersten Schritte dort machen (das funktioniert in allen grossen Streethockeynationen, mit der Ausnahme der Schweiz). Schliesslich könnte man sich fragen, ob man für die Grossfeldmeisterschaften z.B. die Bestimmungen für den Einsatz von Spielern in zwei Mannschaften etwas lockern will. - Und überhaupt, man muss vorsichtig sein, darf nicht zu grosse Schritte wagen....
Stimmt, aber es gibt Momente, in denen der mutige Schritt vorwärts gemacht werden muss. Wir müssen unsere typisch Schweizerische Vorsicht - die a priori ja nicht schlecht ist - hinter uns lassen und die grosse Sache versuchen. Wer den grossen Wurf nicht wagt, wird nie wissen, ob er es nicht doch geschafft hat. Letzten Endes ist das Grossfeldspiel attraktiver für Zuschauer, Spieler und Sponsoren. Natürlich wird Streeethockey damit nicht zur neuen Trendsportart, aber wir können uns etablieren. Wir müssen um die Eck denken, innovative Ideen haben und umsetzen. Dann werden wir nämlich plötzlich auch interessanter für die Presse. Diese sucht das Ausserordentliche, nicht das Normale. 4 gegen 4 und 5 gegen 5 mit Offside in derselben Meisterschaft und es funktioniert. Das ist interessant.
Müssen wir bis 2015 warten?
Mit der Meisterschaft wohl schon, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir den Cupfinal auf Grossfeld austragen. Vielleicht in einer zweiten Phase schon den Halbfinal. Was hindert uns, bereits den Cupfinal 2010 auf dem Grossfeld auszutragen? Eigentlich nichts.
