Freitag, 12. Juni 2009

Bayreuth, Götterdämmerung des Schweizer Streethockeys?

Zum ersten Mal seit es Junioren Europameisterschaften gibt, reist die Schweiz ohne Medaille nach hause. Nun, das ist auch den Slowaken schon passiert, den Österreichern und den Deutschen. So gesehen, also sicher keine Götterdämmerung. Diese wird in Bayreuth erst in einigen Wochen anlässlich der Wagnerfestspiele aufgeführt.
Trotzdem, wieso hat die Schweiz dieses Jahr keine Medaille mit nach hause gebracht, ja wieso hat sie sich nicht einmal für das Spiel für Rang 3 qualifiziert?
Nun, man könnte von Pech sprechen. Pech, weil man in den direkten Begegnungen gegen Deutschland und Österreich zweimal Unentschieden gespielt und ein Tor zu wenig geschossen hat. Aber mit Pech, hat das Ausscheiden der Schweiz wenig zu tun, das hatte andere Gründe.
  • Coach Schüpbach versuchte, mit einer Zonendeckung zu arbeiten, nicht eben erfolgreich. Ein Fehler? Ich denke nicht, denn bei fünf gegen fünf ist mit Manndeckung längerfristig kein Blumentopf zu gewinnen und schon gar keine Medaille. Vielleicht war es zu früh, es schon in Bayreuth auszuprobieren, aber es war mutig und deshalb sicher nicht völlig falsch. Zonendeckung ist etwas, was nächstes Jahr in den Regiotrainings angeschaut werden muss.
  • Womit wir schon beim nächsten Punkt sind. Die Regiotrainings müssen intensiviert und standardisiert werden, es brauch mehr Vorgaben für die Regiotrainer. Aber es braucht vor allem regelmässige Regiotrainings und zwar spätestens ab September. Hier wurde in der letzten Saison zu viel Zeit verschenkt. Einmal pro monat, allenfalls alle drei Wochen max. eine halbe Stunde zu einem Training zu fahren, das kann man allen Spielern und auch den Eltern zumuten (es gibt ja die Möglichkeit von Fahrgemeinschaften).
  • Die SSHA ist ein kleiner Verband. Zu erwarten, dass jeder Jahrgang die Breite und Stärke aufweist, wie die goldenen Jahrgänge 1987, 88 und 89 wäre vermessen. Der Jahrgang 1991 ist nicht so breit besetzt, das ist eine Tatsache, an der es nichts zu rütteln gibt. Nun, dass es anderen Streethockeynationen wie Österreich und manchmal sogar der Slowakei ähnlich geht, mag ein schwacher Trost sein.
  • Möglicherweise wurde in Bayreuth der Ernst der Lage zu spät erkannt. Nach dem 2:2 gegen Deutschland hätte man über die Bücher gehen und merken sollen, dass es unter Umständen auf jedes Tor ankommt. Mit einer ähnlichen kämpferischen Leistung gegen die Slowaken wie gegen die Tschechen wäre die Niederlage gegen die Slowakei nicht mit 10 Toren Unterschied ausgefallen und dann... Ok, vielleicht stand das Spiel gegen Österreich im Zentrum des Denkens, auch eine Möglichkeit, aber dann müsste man gewinnen, was bekanntermassen nicht geschah.
  • Dumme Strafen im falschen Moment. Nicht, dass die Schweiz unfair gespielt hätte, man hat den Fairplaypreis nur um eine Strafe verfehlt, aber es gab immer wieder unnötige Strafen in ungünstigen Momenten. Ein kleiner Stellungsfehler, etwas zu viel gewollt und schon rannte man dem Gegner hinterher und säbelte ihn um. Es war relativ rasch klar, dass die SR bei Checks in der Bandengegend relativ streng durchgreifen, aber nicht alle Spieler verhielten sich entsprechend.

Nun, wenn aus Bayreuth die richtigen Schlüsse gezogen werden- und ich bin eigentlich überzeugt, dass dies geschehen wird - dann hat Bayreuth nichts wagnerianisches, war keine Götterdämmerung und auch kein Unglück.

Es wird in Zukunft wieder stärkere Jahrgänge geben, die Regiotrainings werden konsequenter durchgeführt, der Erfolg wird sich - dank harter Arbeit - wieder einstellen. Allerdings, so lange die SSHA klein ist, kann es auch immer wieder ein Bayreuth geben. Trotzdem lassen wir uns nicht von wagnerianischen Weltuntergangsszenarien verängstigen. Ich ziehe diesen apokalyptischen Bildern die Musik Beethoven ( insb. 9. Symphonie, 4. Satz) vor oder Elgar (Pump and Circumstance March N° 1) bei weitem vor. Oder sogar den Ranz des Vaches.

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