Und die NL B? Nun hier gibt es nur acht Mannschaften. Bonstetten II und Oberwil II kann man bei der Analyse getrost bei Seite lassen. Es bleiben also noch sechs Teams übrig. Die Hälfte dieser Teams kämpft mit grossen Problemen. Es gibt nur wenige Junioren, die Kader sind schmal, die Bereitschaft der Spieler den nötigen Trainingsaufand zu leisten ist nicht eben gross, die Motivation zu Auswärtsspielen zu reisen ist klein, Streethockey steht in der Prioritätenliste weit hinten. Kurzum, während sich in der NL A sehr vieles positiv entwickelt hat und das Niveau gesteigert werden konnte, hat die NL B im besten Fall stagniert.
Wieso? Während in der NL A die Vereine weiter kommen wollen und auch verstanden haben, dass man für den Erfolg, den Fortschritt investieren muss, so fehlt diese Erkenntnis bei einigen NL B Teams. Zwar will jeder vorwärts kommen, aber die Bereitschaft, die nötige Zeit zu investieren, fehlt vielerorts. Freiwilligenarbeit ist nicht mehr populär. Viele Spieler der zweiten Generation neigen dazu, zu vergessen, dass sie als Junioren, als junge Spieler vom Engagement der älteren Spielergeneration profitiert haben. Die ältere Generation ist der Meinung ihre Pflicht gegenüber dem Verein erfüllt zu haben und ist nicht länger bereit mit den konsumorientierten jungen Spielern zusammen zu arbeiten. Natürlich macht dieses Phänomen auch nicht vor der NL A halt, aber hier wird bei den jungen Spieler mehr oder weniger gezielt auch ein Pflichtbewusstsein vermittelt.
Hier liegt aus meiner Sicht der Hauptgrund, wieso die NL B zu dem geworden ist, was sie zum aktuellen Zeitpunkt ist. In den meisten Vereinen gibt es nur wenige - oder gar keine - Leute, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit zu opfern, um Führungsaufgaben wahrzunehmen. Dies ist nicht immer mit Annehmlichkeiten verbunden. Im Gegenteil, man wird angeschossen, kritisiert, zuweilen nicht ernst genommen. Dank gibt es selten, das schreckt ab. Und trotzdem geht es nicht ohne diese Personen. Das sollten auch die Spieler wissen und sich dementsprechend verhalten, d.h. die Arbeit der Funktionäre auch schätzen und loben, wenn es etwas zu loben gibt und das gibt es eigentlich immer. Das funktioniert in der NL B -im Gegensatz zur NL A - in vielen Vereinen nicht.
Was können die Vereine tun?
- Gute Funktionäre suchen und diese unterstützen. Es gibt in jedem Verein Leute, die die Fähigkeiten haben, diesen Verein zu führen und vorwärts zu bringen.
- Der Ansatz muss der folgende sein "Don't ask what your country can do for you, ask what you can do for your country". Zugegeben, das Zitat habe ich schon vor über 10 Jahren gebracht. An Aktualität hat es aber seither nichts verloren. Auf das Streethockey übertragen heisst dies, dass die Vereine ihre Probleme in erster Linie selbst an die Hand nehmen müssen. Einfach nur lautstark Verband zu verlangen, das er die Situation verbessert aber selber nicht zu machen, bringt niemanden weiter.
- Nicht sofort die Flinte ins Korn werfen, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, es ein zweites Mal versuchen. Ein Ziel das nicht in einem Schritt erreicht werden kann, lässt sich vielleicht in vier kleineren Schritten erreichen.
- Frühzeitig Spieler erkennen, die Führungsqualitäten haben. Diese Qualitäten fördern ohne die Spieler zu verheizen. Wieso nicht A-Junioren die diese Qualitäten haben bei den B- oder C-Junioren als Hilfstrainer einsetzen.
- Den jungen Spielern zuhören. Nicht alles was sie vorschlagen ist schlecht.
- Möglichst gute, engagierte, qualifizierte Trainer im Juniorenbereich einsetzen. Die besten Trainer in die Nachwuchsabteilung, das ist keine leere Forderung, sondern der Schlüssel zu Erfolg. Die Spieler lernen nicht nur den Sport, sondern ganz neben bei auch wie man führt.
Was kann der Verband tun?
- Die Trainerausbildung muss noch besser strukturiert sein. Der J+S-Leiter darf nicht das Ende der Tranerausbildung sein, sondern der Einstieg.
- Es braucht neue Vereine. Dies ist nicht einfach, denn für die Bildung eines neuen Vereins braucht es vor allem engagierte Funktionäre. Mit dem Summercup der dieses Jahr durchgeführt wird, hat man sicher einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.
- Neuen Vereinen oder Gruppen die einen Verein gründen wollen könnte ein Pate zur Seite gestellt werden. Natürlich braucht es auch hierzu Leute, aber diese sind vielleicht in den Reihen ehemaliger Funktionäre zu finden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Verband neue Vereine aktiver unterstützen. Z.B könnte ein Mitglied des Verbandsvorstands alle drei Monate mit dem Vorstand des neuen Vereins zu einem Erfahrungsaustausch zusammentreffen.
- Es wäre zu überlegen, ob eine Reduktion der NL B auch acht Mannschaften nicht sinnvoll wäre. Die Modalitäten für den Aufabstieg NL B / 1. Liga müssten natürlich angepasst werden.
- Zudem sollte der Verband, wenn er bemerkt, dass ein Verein Probleme hat, mit dessen Funktionären das Gespräch suchen. Umgekehrt sollten Vereine die ein Problem haben auch frühzeitig damit an den Verband gelangen. So lassen sich Mannschaftsrückzüge, freiwillige Abstiege etc. vielleicht verhindern.
- Es ist frühzeitig, am besten noch im Herbst, abzuklären, welche 1. Ligavereine Aufstiegsambitionen haben. Mit diesen ist das Gespräch zu suchen und abzuklären, ob die Vereine überhaupt in der Lage sind, in die NL B aufzusteigen. Allenfalls könnten dann von dem Verein gezielt Maasnahmen ergriffen werden, damit ein Aufstieg realisiert werde kann.
- Hingegen wäre es falsch die Anforderungen an NL B Teams drastisch zu senken. Im Juniorenbereich muss weiter gearbeitet werden. Abstriche könnte ich mir allenfalls bei der Infrastruktur vorstellen. Braucht es wirklich eine elektronische Anzeigetafel?
Alles in allem, die aktuelle Situation in der NL B ist unbefriedigend. Die Vereine und der Verband sind gleichermassen gefragt. Jeder muss nach seinen Möglichkeiten dazu beitragen, auch wenn im Moment aus bekannten Gründen die Situation der SSHA etwas problematisch ist.
