Mittwoch, 25. Februar 2009

Streethockey wie weiter? Replik auf diverse Post im Forum von Copin

Ich habe in den letzten Tagen mit Interesse die Diskussion im Forum auf der Website von Marco Christen verfolgt. Ich habe einige gute Vorschläge gelesen und einige weniger gute.

Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen:

Die Nationalmannschaften haben noch nie mehr als 50 % des SSHA-Budgets verschlungen. Dies ist schlicht und ergreifend falsch. Es stimmt, dass eine Nordamerika-Expedition durchaus einmal 50'000 oder 60'000 CHF kosten kann. Dieser Betrag entspricht auch tatsächlich dem halben Budget der SSHA, nur hat er mit dem Budget herzlich wenig zu tun. Da gibt es einmal den Beitrag, den die Spieler selber bezahlen. Bei der U20 in St. John's waren das – Irrtum vorbehalten – je 1'600 CHF pro Spieler. Hinzu kommen noch ein Beitrag von Swiss Olympics, der ist mit 5'000 CHF zwar nicht sonderlich hoch, aber immerhin. Schliesslich kommen noch – wenn auch wenige – Sponsoren hinzu. Mit weiteren Aktionen – man kann sich über Sinn und Unsinn trefflich streiten – wie Sponsorenläufen, Verkaufsaktionen etc. fliesst zusätzliches Geld in die Verbandskassen für die Nationalteams. Zudem werden, wenn Weltmeisterschaften in Nordamerika anstehen Rückstellungen gebildet, so dass das Budget des WM-Jahres nicht zu sehr belastet wird. Ok, rund einen Viertel des SSHA Budgets machen die Ausgaben für die Nationalmannschaften durchaus auch.

Nun kann man sagen, dass sei hoch, das Geld wäre besser investiert, wenn irgendwo in der Ostschweiz die Werbetrommeln gerührt würden. Nun, mit 20'000 oder 30'000 CF könnte sicher etwas auf die Beine gestellt werden. Nur, wer garantiert uns, dass dies auch zur Gründung von neuen Teams führt? Denn ein neues Team braucht schon mal einen Platz mit hohen Banden. Nicht zu vergessen Dresses, Tore usw. Das sind Kosten im fünfstelligen Bereich. Wer will das schon auf sich nehmen, bloss weil er an einem oder zwei super Events ein bisschen Streethockey gespielt hat. Womit ich nicht sagen will, Events seien schlecht. Natürlich bräuchte es die auch und natürlich besteht immer die Möglichkeit dass sich doch ein oder zwei Teams der SSHA anschliessen.

Nun auch die Nationalmannschaften haben einen positiven Effekt. Zwar werden aufgrund der Erfolge der Nationalmannschaft kaum neue Vereine gegründet; die Medienpräsenz ist einfach zu schlecht, um einen solchen Effekt zu bewirken. Aber die Chance in einer Nationalmannschaft zu stehen, an Weltmeisterschaften teilzunehmen, ist in kaum einer Sportart so gross, wie im Streethockey. Und gerade dies ist auch ein Attraktivitätsfaktor, der Kinder und Jugendliche dazu bewegt, sich für unseren Sport zu entscheiden und gegen den Fussball. Klar profitieren die Spitzenteams, die über mehrere Mannschaften und mehr Junioren verfügen mehr von den Nationalmannschaften, mehr vom Geld das der Verband hierfür aufwendet. Nur leisten diese Klubs einen deutlich grösseren Beitrag zum SSHA Budget, da sie mehr Lizenzen lösen, mehr Startgebühren bezahlen und wohl auch mehr Bussen bezahlen müssen als kleinere Vereine.
Aber lassen wir die Nationalmannschaft.


  • Wo liegt das Kernproblem des Streethockeys?
    Haben wir zu wenig Geld? Sicher, mit mehr Geld liesse sich mehr bewegen, aber das Kernproblem ist es nicht.
  • Ist es der Rückgang der Zahl der Vereine? Sicher, es schmerzt mich wenn ich sehe, dass Traditionsvereine wie die Red Bears Cham sich auflösen, aber das Kernproblem ist es nicht.
  • Brauchen wie mehr Juniorenspieler? Definitiv, zu wenige junge Spieler lassen sich für das Streethockey begeistern, aber das Kernproblem ist auch das nicht.
  • Ist unsere Medienpräsenz zu gering? Natürlich, aber auch das ist nicht das Kernproblem.
  • Ist der Vorstand unfähig? Natürlich nicht, die Vorstandsmitglieder sind engagiert und geben sehr viel für das Streethockey. Sie üben mehrere Funktionen aus, im Verband und in Ihren Vereinen.

Das führt uns zum Hauptproblem im Streethockey. Wir haben zu wenige Leute, die bereit sind, sich ehrenamtlich für unseren Sport zu engagieren. Selbstverständlich stehen wir damit nicht alleine, andere Vereine und auch zahlreiche Gemeinden sehen sich mit demselben Problem konfrontiert. Das mag zwar im ersten Augenblick tröstlich erscheinen, nur leider hilft es uns nicht weiter.
Jeder Verein braucht einige engagierte Leute, die bereit sind, sich für den Klub einzusetzen. Personen die einen guten Teil ihrer Freizeit dafür aufwenden, ihren Verein weiter zu bringen. Natürlich gibt es solche Personen, nur viel zu wenige. Was mich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass es im Verhältnis zu früher immer weniger werden. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Bequemlichkeit vieler Streethockeyspieler
    Diese wollen spielen, sind auch bereit zu trainieren und pfeifen – wenn es denn unbedingt sein muss – auch noch zwei Spiele pro Saison. Mehr ist nicht drin.
  • Die alten Vereinsfunktionäre
    Diese Leute haben grossartiges geleistet, sie haben die Vereine und unseren Sport von den Schulhausarealen von Mühlefeld oder Wynigen in die Streethockeyarenen in Sierre, Bonstetten oder Grenchen geführt. Sie haben gute Ideen entwickelt und umgesetzt, haben für ihren Verein und unseren Sport gekämpft. Sie wissen wie es geht. Sie wissen es vielleicht etwas zu gut, und haben deshalb Mühe, den Wert neuer Ideen zur Lösung alter Probleme zu erkennen. Sie verharren auf ihren Posten, beurteilen die Vorschläge der jungen Spieler überkritisch und vergessen dabei oft, dass sie kaum älter als zwanzig waren, als sie Ihren Verein aufbauten.
  • Mangelnde Förderung von Jungfunktionären
    Eine der wichtigsten Aufgaben, die ein Vereinsverantwortlicher hat, ist es, nach Personen – z.B. aus dem Bereich der Juniorenmannschaft - Ausschau zu halten, die eines Tages seine Aufgaben ausüben könnten. Wird ein potenzieller Kandidat entdeckt so muss dieser gezielt gefördert werden. Zuerst überträgt man ihm einfache Verantwortungen, fragt ihn nach seiner Meinung zu einzelnen Entscheiden, die im Verein getroffen werden. All das ohne ihn gross darüber aufzuklären, wieso er diese Verantwortungen erhält. Wenn er sich darin bewährt, soll man das Gespräch mit ihm suchen und schauen, ob man ihn für eine Funktionärskarriere gewinnen kann. Auch hier gilt es klein anzufangen, Aufgaben zu geben, die relativ einfach zu bewältigen sind. Er soll sehen, dass er etwas bewegen kann, dass sich die Führungsmittglieder ernsthaft mit seinen Vorschlägen auseinandersetzen. Es wird Enttäuschungen geben, ohne Zweifel, aber wenn ein Verein konsequent junge Funktionäre fördert, dann sind die Chancen, dass scheidende Funktionäre gleichwertig ersetzt werden können wesentlich grösser als in Vereinen, in denen keine Förderung sattfindet.

Wenn es den Vereinen gelingt, mehr Funktionäre zu rekrutieren, dann wird das Vereinssterben rasch zu Ende gehen. Der Ball liegt also wieder einmal bei den Vereinen….

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