Dienstag, 1. Dezember 2009

Quo vadis?

Ein Schiff pflügt durch die bewegte See. Die Passagiere sitzen im Salon, im Speisesaal, an der Bar und geniessen die Reise. Zwar weisen die Bezüge der Sessel Risse auf, die Speisefolge ist immer dieselbe und an der Bar werden nur noch zweitklassige Getränke serviert. Mehrmals täglich werden Pumpen angeworfen, wieso interessiert niemand. Der Radar steht seit Tagen still. Was soll's, die Sicht ist ja gut. Der Kapitän wurde schon lange nicht mehr gesehen, keiner weiss genau wo er ist. Irgendwo an Bord wird er wohl sein, das Schiff fährt ja auch ohne ihn und solange die Animation noch klappt, kann es den Passagieren ja egal sein, wenn ein anderer auf der Brücke steht. Und wenn doch einmal ein Fahrgast die Frage stellt, wohin denn die Reise gehe, so wird er von der Schiffsführung beruhigt: man habe alles im Griff, ein GPS und Navigationskarten seien vorhanden, es könne nichts passieren; zudem, kein Schiff sei völlig wasserdicht, dass man zwischendurch kurz lenzen müsse, sei normal, das hätte schon die britische Flotte vor der Schlacht vor Trafalgar gemusst. Dass die Schiffsrümpfe schon lange nicht mehr aus Holz gefertigt werden, interessiert niemand.
Die Laufräder der Winden zum Herunterlassen der Rettungsboote sind verrostet, ob sie gar festgerostet sind? Die Taue der Rettungsboote sind verfranst, ob sie das Gewicht eines vollbesetzten Bootes noch aushalten? Vielleicht stellt sich der eine oder andere Passagier diese Frage, offen ausgesprochen wird sie nicht.
Die Besatzung ist klein, sehr klein. Ist sie gross genug, um das Schiff allein zu führen? Oder braucht sie Hilfe? Müssten die stärksten Gäste vielleicht mit anfassen? Die Besatzung sagt nichts, die Passagiere fragen nicht. Das Schiff fährt weiter durch den bewegten Ozean.
Doch das grösste Meer weist Küsten auf, Untiefen und Riffe. Aus dem Nichts kann ein Sturm entstehen. Wachsamkeit und Engagement wären gefragt, sonst droht dem Schiff der Untergang. Die Lecks müssen gestopft werden, mit Hilfe der Passagiere wenn nötig. Zwar läge das in der Verantwortung der Mannschaft, doch wenn diese zu klein ist, um mit allen Problemen fertig zu werden, dann müssen die Passagiere mit anpacken. Wenn das Schiff scheitert, sinkt, dann geht nicht nur die Besatzung mit auf den Grund der See, auch die Passagiere sind dann den Elementen hilflos ausgeliefert. Doch wen interessiert es, das Schiff fährt ja, wieso sich also darum kümmern?
Die Mannschaft ist abgestumpft, erledigt ihre Aufgabe, mehr nicht. Hält sich stur an die Schiffsordnung. Gesetz ist Gesetz und das wird ohne wenn und aber durchgesetzt. Man ist ja schliesslich professionel. Man hat alles unter Kontrolle. Und wie kann man das besser unter Beweis stellen, als damit, dass man die Schiffsordnung ohne Rücksicht durchsetzt. Dem einen oder anderen Passagier wird es vielleicht mulmig über den Mangel an gesundem Menschenverstand, vielleicht muckt sogar einer auf. Doch wird es zu einer Reaktion kommen, wird mehr geschehen, als dass der eine oder der andere die Faust im Sack macht? Denn wen interessiert es letzten Endes, das Schiff fährt ja, wieso sich also darum kümmern?

Sonntag, 16. August 2009

Grossfeld? Grossfeld!

Wir schreiben das Jahr 2009. Bis 2015 sollen alle NLA-Teams über Spielfelder verfügen, die es erlauben 5 gegen 5 mit Offside zu spielen. Nun wie sieht die Zwischenbilanz vor Jahre nach dem Entscheid in Richtung Grossfeld aus?
Viele Vereine haben ihre Hausaufgaben gemacht und Projekte zum Bau von grossen Spielfeldern eingereicht. Die Standortgemeinden erwiesen sich bisher als überraschend kooperativ. Bis 2015 werden zahleiche Grossfelder gebaut sein. Vielleicht werden es nicht ganz alle NLA-Teams schaffen, aber die meisten.

  • Grossfeldspiele sind für die Zuschauer attraktiver, da technische Mannschaften klar im Vorteil sind. Wie attraktiv sie sind, konnte man in der Schweiz letztmals an der Junioren EM 2007 beobachten.
  • Auch Kleinfeldspiele können spektakulär sein, das hat der diesjährige Cupfinal gezeigt. Nur, es gab viele Tore, ein Spiel das hin und her wogte, aber wurde wirklich Klassehockey gezeigt? Man stelle sich vor, Oberwil und Belp hätten den Cupfinal auf einem Grossfeld ausgetragen, dass wäre ein Weltklassespiel geworden.
  • Die Auftritte auf der internationalen Bühne haben gezeigt, dass eine Grossfeldmeisterschaft die Basis für den Erfolg ist.
  • Das Streethockey in der Schweiz hat Probleme. Es gibt kaum mehr Wachstum, die Vereine haben Schwierigkeiten Junioren zu finden. Sponsoren sind rar. Viel stellen sich die Frage, ob wir uns eine Grossfeldmeisterschaft leisten können, oder ob dadurch das Streethockey endgültig zu einer geschlossenen Gesellschaft wird.

Nun, ich werde mich darauf beschränken den letzten Punkt abzuhandeln. Ich denke, wir sollten es riskieren. Es wurden viele berechtige Fragen gestellt und nachvollziehbare Probleme aufgeworfen. Ich denke mit etwas gutem Willen, kann man diese Probleme lösen.

  1. Teams mit zwei Mannschaften brauchen zwei Spielfelder, eines für die NLA Meisterschaft mit fünf gegen fünf, eines für die 4 gegen 4 Meisterschaft der zweiten Mannschaft.
    Nein, dem ist nicht so. Der Europacup 2006 in Sierre hat gezeigt, dass das Spielfeld der Sierre Lions für ein Spiel 5 gegen 5 geeignet ist. Und in Sierre wird seit Jahren 4 gegen 4 gespielt. Müssen die Spieler der NLB oder der 1. Liga läuferisch stärker werden. Nicht unbedingt, denn auf dem Spielfeld der Lions werden auch Spiele der 2. Liga ausgetragen. Die Spieler werden natürlich in der Tendenz schneller und fitter werden, aber ist das ein Problem?
  2. Ok, bei den Aktiven geht es ja noch, aber was machen wir mit Junioren B oder Junioren C?
    Nun, für Junioren C-Spiele mit 4 gegen 4 sind die grossen Spielfelder in der Tat nicht unbedingt geeignet. Nun wieso spielt man bei den Junioren C nicht einfach 5 gegen 5 ohne Offside? Zumindest auf den grossen Feldern. Tönt im ersten Moment etwas schräg. Eine Meisterschaft, die zum Teil 4 gegen 4 respektive 5 gegen 5 gespielt wird, ist das nicht lächerlich? Ich denke nicht, die Jungs wollen Spielen, Spass am spielen haben und etwas lernen. Ob sie das bei 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 tun macht nicht wirklich ein Unterschied. Bei den C-Junioren liegt der Schwerpunkt der taktischen Arbeit beim Verhalten der Einzelspieler allenfalls bei Zweiertaktiken. Da ist es nicht wichtig, ob 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 gespielt wird.
    Und bei den Junioren B? Hier ist es etwas schwieriger. Team-Taktiken spielen eine Rolle. Hier müsste man sich überlegen, ob man auf 5 gegen 5 mit Offside umsteigen will. Spielfelder dürfte es genug geben. Allerdings hätte dann nicht mehr jeder Verein ein Heimturnier. Oder man führt eine Zwittermeisterschaft durch. Die Hälfte der Spiele mit 4 gegen 4 und die andere Hälfte mit 5 gegen 5 mit Offside. Für die Halbfinal-Turniere und das Finalturnier müsste man sich dann auf einen Modus festlegen.
  3. Aber was ist mit den Junioren A?
    Naja, anstelle von Stärkeklassen könnte man einfach eine Grossfeld und eine Kleinfeldmeisterschaft durchführen. Ich sehe hier kein wirkliches Problem.
  4. Wir haben zu wenige Spieler fürs Grossfeld.
    Es wird mehr Spieler brauchen, bei einigen Vereinen wird es keine zweiten Mannschaften mehr geben.Das ist effektiv ein Problem. Aber auch hier gibt es Lösungsmöglichkeiten. Man braucht mehr Junioren. Hier wird man Lösungen suchen müssen. Ein Vorteil der grossen Spielfelder ist, dass die meisten nicht mehr bei Schulhäusern und damit mitten in überbauten Gebieten liegen. Deshalb werden weniger Nutzungseinschränkungen bestehen. Und das öffnet Möglichkeiten. Ich denke an eine Zusammenarbeit mit den Schulen. Schulsport oder regionale Schülermeisterschaften (die Tschechen und Slowaken haben hier gute Erfahrungen gemacht). Die besten regionalen Teams würden um die Schweizermeisterschaft spielen, die Sieger könnten nach Tschechien reisen. Natürlich dazu braucht es Geld, aber versuchen könnte man es. Mit dem Grossfeld wird unser Sport technischer und weniger körperlich. Das dürfte die Attraktivität des Streethockeys erhöhen. Nun, wir haben fünf Jahre Zeit nach einem sinnvollen System zu suchen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, wir müssen nur daran glauben.
    Auch hier gibt es viele Möglichkeiten. Ehemalige Juniorenspieler könnten zwei oder drei Jahre uneingeschränkt in beiden Teams spielen. Spieler die neu zum Streethockey stossen (und nicht vorher in einer der höchsten Eishockey oder Unihockeyliga gespielt haben können während einer Saison uneingeschränkt in beiden Teams spielen etc. Breites Denken ist gefragt.
  5. Das Streethockey wird noch mehr zu einer geschlossenen Gesellschaft
    Wieso denn? Neue Mannschaften beginnen nicht in der NLA, sondern in der 2. Liga. Ein kleines Spielfeld reicht. Eigentlich nicht einmal dass, denn man kann ja auf Heimturniere verzichten. Das Problem sind für neue Teams die hohen Banden, denn über kurz oder lang will man ja Heimspiele haben. Und natürlich wird man sich dann entscheiden müssen, ob man ein grosses Feld oder ein kleines will. Da muss dann halt der Realismus über den unangebrachten Optimismus siegen. Ein kleines Spielfeld reicht. Und schliesslich - wie schon gesagt - die neuen Spielfelder dürften weniger Nutzungseinschränkungen haben. Wieso sollte also nicht eine 2. Ligamannschaft im Einzugsgebiet eines Grossfelds ihre ersten Schritte dort machen (das funktioniert in allen grossen Streethockeynationen, mit der Ausnahme der Schweiz). Schliesslich könnte man sich fragen, ob man für die Grossfeldmeisterschaften z.B. die Bestimmungen für den Einsatz von Spielern in zwei Mannschaften etwas lockern will.
  6. Und überhaupt, man muss vorsichtig sein, darf nicht zu grosse Schritte wagen....
    Stimmt, aber es gibt Momente, in denen der mutige Schritt vorwärts gemacht werden muss. Wir müssen unsere typisch Schweizerische Vorsicht - die a priori ja nicht schlecht ist - hinter uns lassen und die grosse Sache versuchen. Wer den grossen Wurf nicht wagt, wird nie wissen, ob er es nicht doch geschafft hat. Letzten Endes ist das Grossfeldspiel attraktiver für Zuschauer, Spieler und Sponsoren. Natürlich wird Streeethockey damit nicht zur neuen Trendsportart, aber wir können uns etablieren. Wir müssen um die Eck denken, innovative Ideen haben und umsetzen. Dann werden wir nämlich plötzlich auch interessanter für die Presse. Diese sucht das Ausserordentliche, nicht das Normale. 4 gegen 4 und 5 gegen 5 mit Offside in derselben Meisterschaft und es funktioniert. Das ist interessant.

Müssen wir bis 2015 warten?
Mit der Meisterschaft wohl schon, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir den Cupfinal auf Grossfeld austragen. Vielleicht in einer zweiten Phase schon den Halbfinal. Was hindert uns, bereits den Cupfinal 2010 auf dem Grossfeld auszutragen? Eigentlich nichts.


Mittwoch, 24. Juni 2009

Pilsen, Gedanken über das Abschneiden der Schweiz

Zwei Wochen vor der WM besuchte ich die Nationalmannschaft in ihrem Trainingscamp in Hasle. Was ich sah und hörte, stimmte mich zuversichtlich. Die Konditionwerte waren besser als je zuvor. Das Powerplay funktionierte selbst auf dem rauen Belag in Hasle verblüffend gut, die Jungs schienen gut aufeinander abgestimmt. Einziger Wehrmutstropfen: Stefan Kunz musste aufgrund seines noch nicht ausgeheilten Kreuzbandrisses forfait geben.
Ich hatte auch Gelegenheit mit Sébastien Pico im kleinen Kreise über meine Eindrücke zu sprechen. Meiner Einschätzung nach, handelte es sich um eine junge Mannschaft mit viel Potenzial, die in Pilsen einiges erreichen könnte. Aber, so fügte ich an, die Mannschaft ist sehr jung und das ist auch ihre Schwäche. Läuft die Sache in der Tschechei nicht wie erhofft, ist auch ein Absturz tief in die B-Gruppe möglich.
Manchmal hasse ich es, wenn meine Prognosen aufgehen......

Nun, es gibt einige Personen, die nun den Kopf von Pico fordern. Ist im ersten Moment logisch, er hat versagt. Aber hat er wirklich versagt? Es ist etwas eingetreten, das absehbar war, das - wenn man auf junge Spieler setzen will - immer passieren kann. Es läuft nicht, die Mannschaft fällt in ein Loch und es ist kein Leader vorhanden, der das Team wieder auf Kurs bringt.
Ist Pico schuld, dass kein Leader im Team war? Konnte er etwas dafür, dass Kunz sich das Kreuzband riss, Stuppan Leistenprobleme oder Ronny Strähler Hüftprobleme hatte? Nicht wirklich. Hätte es andere Leaderfiguren gegeben, die man hätte aufbieten können? Auch nicht. Pico musste mit dem Spielermaterial auskommen, das ihm zur Verfügung stand. Natürlich kann man immer über einzelne Spieler diskutieren, gerade wenn es sich um Spieler des vierten Blocks handelt. Ein anderer Trainer hätte vielleicht andere Spieler für diese Positionen aufgeboten, am Ergebnis hätte sich wohl nichts verändert.
Also trifft Pico keine Schuld am schlechten Abschneiden der Schweiz?
Nun, das stimmt sicher nicht. Ich hatte - von fern - den Eindruck, dass er sich von der Ratlosigkeit der Mannschaft anstecken liess. Er wirkte zuweilen seltsam träge auf der Bank und liess seine sonst oft gesehene Impulsivtät vermissen. Ich bin - immer noch aus dem Blickpunkt der VIP-Loge - der Ansicht, dass im Spiel gegen Österreich mit einem anderen Coaching mehr drin gelegen wäre. Ev. hätte es mehr Emotionen gebraucht. Auf alle Fälle einen Plan B und - für den Fall, dass Plan B nicht funktioniert - auch einen Plan C etc. Aber soll man Pico daraus einen Strick drehen? Ich denke nicht. Er wird die WM analysieren, seine Schlüsse daraus ziehen und die entsprechenden Änderungen in seinem Langzeitkonzept vornehmen.

Waren also die Spieler schuld? Nun, wenn man während beinahe vier Spielen keinen Treffer erzielt und das erste Stürmertor kurz vor Ende des fünften Spieles fällt, dann müssen sich die Stürmer die Frage gefallen lassen, wieso sie so verschwenderisch mit den Torchancen umgegangen sind. Zweifellos haben die Jungs viel erwartet, haben in Hasle ähnliche Überlegungen angestellt, wie ich; allerdings wohl ohne die Möglichkeit eines Falls in den B-Pool.
Nach den ersten Spielen kamen Selbstzweifel auf. Man war nicht so stark, wie man meinte; man konnte das eigene Potenzial nicht umsetzen. Man war zwar schnell und konditionell gut drauf, aber es fehlte oft an der nötigen Kraft, um sich in den Zweikämpfen durchzusetzen. Und dann war da noch die Sache, dass vorne keine Treffer erzielt werden konnten. Jetzt hätte es jemanden gebraucht, der innerhalb des Teams die Führung übernahm, einen der von allen akzeptiert wurde, der bereit war, Verantwortung zu übernehmen und die anderen mitzureissen. Diesen Spieler gab es nicht und die Unsicherheit nahm zu.
Nun, ich will nicht behaupten, dass eine Schweiz in Topbesetzung in den ersten drei Spielen gepunktet hätte, aber es wären sicher Tore gefallen. Tschechien, die Slowakei und Indien wären nicht zu vergleichsweise leichten Siegen gekommen. Bei den USA bin ich mir nicht so sicher. Zwar haben die Amerikaner im Viertelfinal gegen Kanada überragend gespielt, aber im Crossoverspiel gegen die Schweiz schienen sie mir nicht unschlagbar.
Im Viertelfinalspiel gegen die Cayman Inseln war die Schweiz klarer Favorit. Aber die Verunsicherung war gross, es kam kaum ein gerader Pass zu Stande oder eine vernünftige Kombination und der Abschluss blieb schwach. Immerhin, am Ende resultierte ein Arbeitssieg.
Und dann kam das Österreichspiel. Die Schweizer liefen, kombinierten, spielten erfrischendes Hockey, liessen die Österreicher uralt aussehen, bloss sie trafen nicht. Nicht weniger als 47 Schüsse wurden auf den nicht eben sicher wirkenden Schlussmann unserer östlichen Nachbaren abgegeben und ähnlich oft flitzte die orange Kugel am Tor vorbei. Doch am Ende erzielte man nur drei läppische Tore; während die Österreicher ihre drei Powerplays souverän nutzen und drei Konterangriffe erfolgreich abschliessen konnten. Statt Österreich zweistellig abzufertigen - was duchaus den Spielanteilen entsprochen hätte - erhielt man eine 3:6 Klatsche. Wieder hatte kein Spieler die Verantwortung auf sich genommen und getroffen.... Immerhin war man dann im letzten Spiel gegen Hong Kong erfolgreicher, aber das interessiert eigentlich niemand mehr.
In zwei Jahren werden die Spieler reifer sein, es wird sich der eine oder andere Leader herauskristallisiert haben, wenn es in Bratislava darum geht, die Rückkehr in den A-Pool zu schaffen.

Die WM Pilsen war nie das Ziel der Aufbaubemühungen auf dem Weg zu einer Halbfinalqualifikation, sie war nur ein Meilenstein. Man hat schlechter abgeschnitten als geplant. Die noch bestehenden Schwächen wurden aufgezeigt, sie können aber beseitigt werden. Mit einer Ausnahme. Eine fünf gegen fünf Meisterschaft wird es vor 2014 wohl kaum geben. Aber es wird mehr Spielfelder geben, aufdenen fünf gegen fünf trainiert werden kann, auch durch den Winter. Dies muss man nutzen.

Pilsen hat gezeigt, dass die Trauben hoch hängen, aber nicht so hoch, als dass sie unerreichbar wären. Wichtig ist, dass sich die Spieler von diesem Misserfolg nicht beirren lassen, dass sie nicht die Flinte ins Korn werfen und die Nationalmannschaft fortan meiden. Die restriktive Ausgangspolitik von Pico darf nicht nur mit kritischen Augen gesehen werden, immerhin war die Mannschaft am Schluss des Turniers nach wie vor fit. Andererseits muss im Hinblick auf Bratislava geprüft werden, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, etwas gegen den Lagerkoller zu unternehmen, der in Pilsen offenbar aufkam.

Die Schweiz hat enttäuscht, das ist unumstritten. Doch wer von dieser Entwicklung völlig überrascht ist und sich so gebärdet, als hätte dies nie geschehen dürfen, der schätzt die Situation im Schweizer Streethockey im Allgemeinen und im Umfeld der Nationalmannschaft im Besonderen schlicht und einfach falsch ein.

Die Zukunft der Nationalmannschaft liegt noch vor uns! Es muss hart gearbeitet werden, es braucht ein Engagement von allen Seiten, aber das Ziel: Qualifikation für den Halbfinal an der WM 2013 oder 2015 ist nach wie vor erreichbar. Einfach so in den Schoss fallen wird es uns aber nicht.

Freitag, 12. Juni 2009

Bayreuth, Götterdämmerung des Schweizer Streethockeys?

Zum ersten Mal seit es Junioren Europameisterschaften gibt, reist die Schweiz ohne Medaille nach hause. Nun, das ist auch den Slowaken schon passiert, den Österreichern und den Deutschen. So gesehen, also sicher keine Götterdämmerung. Diese wird in Bayreuth erst in einigen Wochen anlässlich der Wagnerfestspiele aufgeführt.
Trotzdem, wieso hat die Schweiz dieses Jahr keine Medaille mit nach hause gebracht, ja wieso hat sie sich nicht einmal für das Spiel für Rang 3 qualifiziert?
Nun, man könnte von Pech sprechen. Pech, weil man in den direkten Begegnungen gegen Deutschland und Österreich zweimal Unentschieden gespielt und ein Tor zu wenig geschossen hat. Aber mit Pech, hat das Ausscheiden der Schweiz wenig zu tun, das hatte andere Gründe.
  • Coach Schüpbach versuchte, mit einer Zonendeckung zu arbeiten, nicht eben erfolgreich. Ein Fehler? Ich denke nicht, denn bei fünf gegen fünf ist mit Manndeckung längerfristig kein Blumentopf zu gewinnen und schon gar keine Medaille. Vielleicht war es zu früh, es schon in Bayreuth auszuprobieren, aber es war mutig und deshalb sicher nicht völlig falsch. Zonendeckung ist etwas, was nächstes Jahr in den Regiotrainings angeschaut werden muss.
  • Womit wir schon beim nächsten Punkt sind. Die Regiotrainings müssen intensiviert und standardisiert werden, es brauch mehr Vorgaben für die Regiotrainer. Aber es braucht vor allem regelmässige Regiotrainings und zwar spätestens ab September. Hier wurde in der letzten Saison zu viel Zeit verschenkt. Einmal pro monat, allenfalls alle drei Wochen max. eine halbe Stunde zu einem Training zu fahren, das kann man allen Spielern und auch den Eltern zumuten (es gibt ja die Möglichkeit von Fahrgemeinschaften).
  • Die SSHA ist ein kleiner Verband. Zu erwarten, dass jeder Jahrgang die Breite und Stärke aufweist, wie die goldenen Jahrgänge 1987, 88 und 89 wäre vermessen. Der Jahrgang 1991 ist nicht so breit besetzt, das ist eine Tatsache, an der es nichts zu rütteln gibt. Nun, dass es anderen Streethockeynationen wie Österreich und manchmal sogar der Slowakei ähnlich geht, mag ein schwacher Trost sein.
  • Möglicherweise wurde in Bayreuth der Ernst der Lage zu spät erkannt. Nach dem 2:2 gegen Deutschland hätte man über die Bücher gehen und merken sollen, dass es unter Umständen auf jedes Tor ankommt. Mit einer ähnlichen kämpferischen Leistung gegen die Slowaken wie gegen die Tschechen wäre die Niederlage gegen die Slowakei nicht mit 10 Toren Unterschied ausgefallen und dann... Ok, vielleicht stand das Spiel gegen Österreich im Zentrum des Denkens, auch eine Möglichkeit, aber dann müsste man gewinnen, was bekanntermassen nicht geschah.
  • Dumme Strafen im falschen Moment. Nicht, dass die Schweiz unfair gespielt hätte, man hat den Fairplaypreis nur um eine Strafe verfehlt, aber es gab immer wieder unnötige Strafen in ungünstigen Momenten. Ein kleiner Stellungsfehler, etwas zu viel gewollt und schon rannte man dem Gegner hinterher und säbelte ihn um. Es war relativ rasch klar, dass die SR bei Checks in der Bandengegend relativ streng durchgreifen, aber nicht alle Spieler verhielten sich entsprechend.

Nun, wenn aus Bayreuth die richtigen Schlüsse gezogen werden- und ich bin eigentlich überzeugt, dass dies geschehen wird - dann hat Bayreuth nichts wagnerianisches, war keine Götterdämmerung und auch kein Unglück.

Es wird in Zukunft wieder stärkere Jahrgänge geben, die Regiotrainings werden konsequenter durchgeführt, der Erfolg wird sich - dank harter Arbeit - wieder einstellen. Allerdings, so lange die SSHA klein ist, kann es auch immer wieder ein Bayreuth geben. Trotzdem lassen wir uns nicht von wagnerianischen Weltuntergangsszenarien verängstigen. Ich ziehe diesen apokalyptischen Bildern die Musik Beethoven ( insb. 9. Symphonie, 4. Satz) vor oder Elgar (Pump and Circumstance March N° 1) bei weitem vor. Oder sogar den Ranz des Vaches.

Dienstag, 5. Mai 2009

NL B, wie weiter?

Die Meisterschaft in der NL A hat eigentlich gut funktioniert. Die Vereine stehen mehr oder weniger auf beiden Beinen. Geld ist auch in den meisten Klubkassen vorhanden. Einzig mit den Junioren scheinen einzelne Vereine etwas dünn besetzt, aber die Vereine kennen die Problematik und arbeiten daran.

Und die NL B? Nun hier gibt es nur acht Mannschaften. Bonstetten II und Oberwil II kann man bei der Analyse getrost bei Seite lassen. Es bleiben also noch sechs Teams übrig. Die Hälfte dieser Teams kämpft mit grossen Problemen. Es gibt nur wenige Junioren, die Kader sind schmal, die Bereitschaft der Spieler den nötigen Trainingsaufand zu leisten ist nicht eben gross, die Motivation zu Auswärtsspielen zu reisen ist klein, Streethockey steht in der Prioritätenliste weit hinten. Kurzum, während sich in der NL A sehr vieles positiv entwickelt hat und das Niveau gesteigert werden konnte, hat die NL B im besten Fall stagniert.

Wieso? Während in der NL A die Vereine weiter kommen wollen und auch verstanden haben, dass man für den Erfolg, den Fortschritt investieren muss, so fehlt diese Erkenntnis bei einigen NL B Teams. Zwar will jeder vorwärts kommen, aber die Bereitschaft, die nötige Zeit zu investieren, fehlt vielerorts. Freiwilligenarbeit ist nicht mehr populär. Viele Spieler der zweiten Generation neigen dazu, zu vergessen, dass sie als Junioren, als junge Spieler vom Engagement der älteren Spielergeneration profitiert haben. Die ältere Generation ist der Meinung ihre Pflicht gegenüber dem Verein erfüllt zu haben und ist nicht länger bereit mit den konsumorientierten jungen Spielern zusammen zu arbeiten. Natürlich macht dieses Phänomen auch nicht vor der NL A halt, aber hier wird bei den jungen Spieler mehr oder weniger gezielt auch ein Pflichtbewusstsein vermittelt.
Hier liegt aus meiner Sicht der Hauptgrund, wieso die NL B zu dem geworden ist, was sie zum aktuellen Zeitpunkt ist. In den meisten Vereinen gibt es nur wenige - oder gar keine - Leute, die bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit zu opfern, um Führungsaufgaben wahrzunehmen. Dies ist nicht immer mit Annehmlichkeiten verbunden. Im Gegenteil, man wird angeschossen, kritisiert, zuweilen nicht ernst genommen. Dank gibt es selten, das schreckt ab. Und trotzdem geht es nicht ohne diese Personen. Das sollten auch die Spieler wissen und sich dementsprechend verhalten, d.h. die Arbeit der Funktionäre auch schätzen und loben, wenn es etwas zu loben gibt und das gibt es eigentlich immer. Das funktioniert in der NL B -im Gegensatz zur NL A - in vielen Vereinen nicht.

Was können die Vereine tun?
  • Gute Funktionäre suchen und diese unterstützen. Es gibt in jedem Verein Leute, die die Fähigkeiten haben, diesen Verein zu führen und vorwärts zu bringen.
  • Der Ansatz muss der folgende sein "Don't ask what your country can do for you, ask what you can do for your country". Zugegeben, das Zitat habe ich schon vor über 10 Jahren gebracht. An Aktualität hat es aber seither nichts verloren. Auf das Streethockey übertragen heisst dies, dass die Vereine ihre Probleme in erster Linie selbst an die Hand nehmen müssen. Einfach nur lautstark Verband zu verlangen, das er die Situation verbessert aber selber nicht zu machen, bringt niemanden weiter.
  • Nicht sofort die Flinte ins Korn werfen, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, es ein zweites Mal versuchen. Ein Ziel das nicht in einem Schritt erreicht werden kann, lässt sich vielleicht in vier kleineren Schritten erreichen.
  • Frühzeitig Spieler erkennen, die Führungsqualitäten haben. Diese Qualitäten fördern ohne die Spieler zu verheizen. Wieso nicht A-Junioren die diese Qualitäten haben bei den B- oder C-Junioren als Hilfstrainer einsetzen.
  • Den jungen Spielern zuhören. Nicht alles was sie vorschlagen ist schlecht.
  • Möglichst gute, engagierte, qualifizierte Trainer im Juniorenbereich einsetzen. Die besten Trainer in die Nachwuchsabteilung, das ist keine leere Forderung, sondern der Schlüssel zu Erfolg. Die Spieler lernen nicht nur den Sport, sondern ganz neben bei auch wie man führt.

Was kann der Verband tun?

  • Die Trainerausbildung muss noch besser strukturiert sein. Der J+S-Leiter darf nicht das Ende der Tranerausbildung sein, sondern der Einstieg.
  • Es braucht neue Vereine. Dies ist nicht einfach, denn für die Bildung eines neuen Vereins braucht es vor allem engagierte Funktionäre. Mit dem Summercup der dieses Jahr durchgeführt wird, hat man sicher einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.
  • Neuen Vereinen oder Gruppen die einen Verein gründen wollen könnte ein Pate zur Seite gestellt werden. Natürlich braucht es auch hierzu Leute, aber diese sind vielleicht in den Reihen ehemaliger Funktionäre zu finden. Falls dies nicht möglich ist, sollte der Verband neue Vereine aktiver unterstützen. Z.B könnte ein Mitglied des Verbandsvorstands alle drei Monate mit dem Vorstand des neuen Vereins zu einem Erfahrungsaustausch zusammentreffen.
  • Es wäre zu überlegen, ob eine Reduktion der NL B auch acht Mannschaften nicht sinnvoll wäre. Die Modalitäten für den Aufabstieg NL B / 1. Liga müssten natürlich angepasst werden.
  • Zudem sollte der Verband, wenn er bemerkt, dass ein Verein Probleme hat, mit dessen Funktionären das Gespräch suchen. Umgekehrt sollten Vereine die ein Problem haben auch frühzeitig damit an den Verband gelangen. So lassen sich Mannschaftsrückzüge, freiwillige Abstiege etc. vielleicht verhindern.
  • Es ist frühzeitig, am besten noch im Herbst, abzuklären, welche 1. Ligavereine Aufstiegsambitionen haben. Mit diesen ist das Gespräch zu suchen und abzuklären, ob die Vereine überhaupt in der Lage sind, in die NL B aufzusteigen. Allenfalls könnten dann von dem Verein gezielt Maasnahmen ergriffen werden, damit ein Aufstieg realisiert werde kann.
  • Hingegen wäre es falsch die Anforderungen an NL B Teams drastisch zu senken. Im Juniorenbereich muss weiter gearbeitet werden. Abstriche könnte ich mir allenfalls bei der Infrastruktur vorstellen. Braucht es wirklich eine elektronische Anzeigetafel?

Alles in allem, die aktuelle Situation in der NL B ist unbefriedigend. Die Vereine und der Verband sind gleichermassen gefragt. Jeder muss nach seinen Möglichkeiten dazu beitragen, auch wenn im Moment aus bekannten Gründen die Situation der SSHA etwas problematisch ist.

Freitag, 6. März 2009

Sommermeisterschaft?

Wenn ich nach draussen schaue schneit es. Es schneit schon seit Oktober. Nicht gerade ununterbrochen, doch recht häufig. Wenn ich noch einmal zum Fenster raus schaue, so stelle ich fest, dass der Boden schneebedeckt ist. Auch nichts Neues, auch das ist schon seit Anfang Dezember so.
Wenn ich in die Pinboards schaue, dann stelle ich fest, dass wieder einmal die Diskussion "Sommermeisterschaft" lanciert wurde. Wieder nichts Neues, auch diese Diskussion wird – mit Vorliebe in schneereichen Wintern - mit einer gewissen Regelmässigkeit geführt. Nun, eine Sommermeisterschaft hat sicher viel Gutes, es ist wärmer und schneit nicht. Für Zuschauer wäre es auch attraktiver, bei schönem Wetter ein Spiel anzuschauen, als bei Regen und Schnee.

Betrachten wir einmal das Projekt mögliche Sommermeisterschaft realistisch:
Eine NLA mit 10 Mannschaften bedeutet 18 Spiele pro Team in der Vorrunde danach Playoffs, best off three, also noch einmal neun Wochen (wenn man Doppelwochenenden durchführt, allenfalls sieben Wochen). Zwischen der Qualifikation und den Playoffs braucht es eine Woche Pause.
Für die Durchführung der Meisterschaft braucht es also 28 Wochen. Dazu kommen noch vier Wochenenden an denen der Cup gespielt wird. Alles in allem werden also für eine Streethockey meisterschaft 32 Wochen benötigt. Nun, man könnte die Meisterschaftsdauer – wie in diesem Jahr mit Doppelwochenenden verkürzen, aber nicht mit zu vielen, sonst gibt es wieder Probleme damit, den Junioren Spielplan mit dem Aktivenspielplan zu koordinieren. Trotzdem zwei Doppelwochenenden sollten möglich sein, also 30 Wochen.
Schliesslich gilt es noch zu berücksichtigen, dass im Juni jeweils die Weltmeisterschaften resp. die Juniorenweltmeisterschaften stattfinden. Für diese Anlässe müsste die Meisterschaft wohl für zwei Wochen unterbrochen werden. Stellt sich die Frage: Sommerferien. Hier sollte wohl ein Unterbuch stattfinden, einerseits, weil viele Leute im Sommer in die Ferien gehen, andererseits, weil die Hitze gerade im Juli und Anfang August oft recht gross ist.

So, wie sähen nun, unter Berücksichtigung dieser Aspekte mögliche Sommermeisterschaften aus.

Variante 1
Beginn am ersten Märzwochenende (ich weiss, es kann da noch schneien). Es wird bis zur WM-Pause im Juni gespielt. Einzig am Osterwochenende finden keine Spiele statt. Es stehen also 13 Wochenenden zur Verfügung. Nach der WM werden noch drei Runden gespielt. Oder so ähnlich, je nachdem, wann die WM stattfindet. Es folgt die Sommerpause. Ab dem dritten Augustwochenende geht es weiter. Es bleiben noch 14 Wochenenden. Somit wäre die Meisterschaft in der zweiten Novemberhälfte fertig.

Variante 2
Beginn der Meisterschaft Mitte August. Es wird bis Ende November gespielt (16 Wochen). Es folgt eine Pause bis Ende Februar. Im März geht die Meisterschaft weiter. Die Meisterschaft endet Anfang Juni unmittelbar vor der WM (14 Wochen).

Variante 3
Meisterschaft und Cup werden völlig getrennt. Für die Meisterschaft sind also (Doppelwochenende inklusive) 26 Wochen nötig. Beginn Meisterschaft Anfang September. Es wird ohne Unterbruch bis Ende November gespielt (13 Runden). Die Meisterschaft wird bis Ende Februar unterbrochen. Die Meisterschaft wird am ersten Märzwochenende fortgesetzt. Die Meisterschaft endet Ende Mai. Der Cup wird über den Sommer durchgeführt. Die Vorrunde (ohne die Topteams) während der WM, die Sechzehntelsfinals Ende Juni, unmittelbar nach der WM, die Achtelsfinals Anfang Juli, die Viertelsfinals Anfang August, die Halbfinals Mitte August und der Final am letzten Augustwochenende.

Alle drei Varianten lassen in den Monaten Dezember bis Februar genügend Zeit für Trainings der Nationalmannschaften. Die entsprechenden Grossfelder werden mittelfristig zur Verfügung stehen, so dass man nicht mehr unbedingt auf Eishallen angewiesen ist.
Ich persönlich den Varianten 2 und die Varianten 3 den Vorzug? Wieso? Ein Playoffinal im November, wenn es schnell finster wird, ich weiss nicht. Zudem ist ein Wechsel zu Variante 2 oder Variante 3 problemlos machbar, während dies bei Variante 1 etwas komplizierter würde.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Streethockey wie weiter? Replik auf diverse Post im Forum von Copin

Ich habe in den letzten Tagen mit Interesse die Diskussion im Forum auf der Website von Marco Christen verfolgt. Ich habe einige gute Vorschläge gelesen und einige weniger gute.

Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen:

Die Nationalmannschaften haben noch nie mehr als 50 % des SSHA-Budgets verschlungen. Dies ist schlicht und ergreifend falsch. Es stimmt, dass eine Nordamerika-Expedition durchaus einmal 50'000 oder 60'000 CHF kosten kann. Dieser Betrag entspricht auch tatsächlich dem halben Budget der SSHA, nur hat er mit dem Budget herzlich wenig zu tun. Da gibt es einmal den Beitrag, den die Spieler selber bezahlen. Bei der U20 in St. John's waren das – Irrtum vorbehalten – je 1'600 CHF pro Spieler. Hinzu kommen noch ein Beitrag von Swiss Olympics, der ist mit 5'000 CHF zwar nicht sonderlich hoch, aber immerhin. Schliesslich kommen noch – wenn auch wenige – Sponsoren hinzu. Mit weiteren Aktionen – man kann sich über Sinn und Unsinn trefflich streiten – wie Sponsorenläufen, Verkaufsaktionen etc. fliesst zusätzliches Geld in die Verbandskassen für die Nationalteams. Zudem werden, wenn Weltmeisterschaften in Nordamerika anstehen Rückstellungen gebildet, so dass das Budget des WM-Jahres nicht zu sehr belastet wird. Ok, rund einen Viertel des SSHA Budgets machen die Ausgaben für die Nationalmannschaften durchaus auch.

Nun kann man sagen, dass sei hoch, das Geld wäre besser investiert, wenn irgendwo in der Ostschweiz die Werbetrommeln gerührt würden. Nun, mit 20'000 oder 30'000 CF könnte sicher etwas auf die Beine gestellt werden. Nur, wer garantiert uns, dass dies auch zur Gründung von neuen Teams führt? Denn ein neues Team braucht schon mal einen Platz mit hohen Banden. Nicht zu vergessen Dresses, Tore usw. Das sind Kosten im fünfstelligen Bereich. Wer will das schon auf sich nehmen, bloss weil er an einem oder zwei super Events ein bisschen Streethockey gespielt hat. Womit ich nicht sagen will, Events seien schlecht. Natürlich bräuchte es die auch und natürlich besteht immer die Möglichkeit dass sich doch ein oder zwei Teams der SSHA anschliessen.

Nun auch die Nationalmannschaften haben einen positiven Effekt. Zwar werden aufgrund der Erfolge der Nationalmannschaft kaum neue Vereine gegründet; die Medienpräsenz ist einfach zu schlecht, um einen solchen Effekt zu bewirken. Aber die Chance in einer Nationalmannschaft zu stehen, an Weltmeisterschaften teilzunehmen, ist in kaum einer Sportart so gross, wie im Streethockey. Und gerade dies ist auch ein Attraktivitätsfaktor, der Kinder und Jugendliche dazu bewegt, sich für unseren Sport zu entscheiden und gegen den Fussball. Klar profitieren die Spitzenteams, die über mehrere Mannschaften und mehr Junioren verfügen mehr von den Nationalmannschaften, mehr vom Geld das der Verband hierfür aufwendet. Nur leisten diese Klubs einen deutlich grösseren Beitrag zum SSHA Budget, da sie mehr Lizenzen lösen, mehr Startgebühren bezahlen und wohl auch mehr Bussen bezahlen müssen als kleinere Vereine.
Aber lassen wir die Nationalmannschaft.


  • Wo liegt das Kernproblem des Streethockeys?
    Haben wir zu wenig Geld? Sicher, mit mehr Geld liesse sich mehr bewegen, aber das Kernproblem ist es nicht.
  • Ist es der Rückgang der Zahl der Vereine? Sicher, es schmerzt mich wenn ich sehe, dass Traditionsvereine wie die Red Bears Cham sich auflösen, aber das Kernproblem ist es nicht.
  • Brauchen wie mehr Juniorenspieler? Definitiv, zu wenige junge Spieler lassen sich für das Streethockey begeistern, aber das Kernproblem ist auch das nicht.
  • Ist unsere Medienpräsenz zu gering? Natürlich, aber auch das ist nicht das Kernproblem.
  • Ist der Vorstand unfähig? Natürlich nicht, die Vorstandsmitglieder sind engagiert und geben sehr viel für das Streethockey. Sie üben mehrere Funktionen aus, im Verband und in Ihren Vereinen.

Das führt uns zum Hauptproblem im Streethockey. Wir haben zu wenige Leute, die bereit sind, sich ehrenamtlich für unseren Sport zu engagieren. Selbstverständlich stehen wir damit nicht alleine, andere Vereine und auch zahlreiche Gemeinden sehen sich mit demselben Problem konfrontiert. Das mag zwar im ersten Augenblick tröstlich erscheinen, nur leider hilft es uns nicht weiter.
Jeder Verein braucht einige engagierte Leute, die bereit sind, sich für den Klub einzusetzen. Personen die einen guten Teil ihrer Freizeit dafür aufwenden, ihren Verein weiter zu bringen. Natürlich gibt es solche Personen, nur viel zu wenige. Was mich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass es im Verhältnis zu früher immer weniger werden. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Bequemlichkeit vieler Streethockeyspieler
    Diese wollen spielen, sind auch bereit zu trainieren und pfeifen – wenn es denn unbedingt sein muss – auch noch zwei Spiele pro Saison. Mehr ist nicht drin.
  • Die alten Vereinsfunktionäre
    Diese Leute haben grossartiges geleistet, sie haben die Vereine und unseren Sport von den Schulhausarealen von Mühlefeld oder Wynigen in die Streethockeyarenen in Sierre, Bonstetten oder Grenchen geführt. Sie haben gute Ideen entwickelt und umgesetzt, haben für ihren Verein und unseren Sport gekämpft. Sie wissen wie es geht. Sie wissen es vielleicht etwas zu gut, und haben deshalb Mühe, den Wert neuer Ideen zur Lösung alter Probleme zu erkennen. Sie verharren auf ihren Posten, beurteilen die Vorschläge der jungen Spieler überkritisch und vergessen dabei oft, dass sie kaum älter als zwanzig waren, als sie Ihren Verein aufbauten.
  • Mangelnde Förderung von Jungfunktionären
    Eine der wichtigsten Aufgaben, die ein Vereinsverantwortlicher hat, ist es, nach Personen – z.B. aus dem Bereich der Juniorenmannschaft - Ausschau zu halten, die eines Tages seine Aufgaben ausüben könnten. Wird ein potenzieller Kandidat entdeckt so muss dieser gezielt gefördert werden. Zuerst überträgt man ihm einfache Verantwortungen, fragt ihn nach seiner Meinung zu einzelnen Entscheiden, die im Verein getroffen werden. All das ohne ihn gross darüber aufzuklären, wieso er diese Verantwortungen erhält. Wenn er sich darin bewährt, soll man das Gespräch mit ihm suchen und schauen, ob man ihn für eine Funktionärskarriere gewinnen kann. Auch hier gilt es klein anzufangen, Aufgaben zu geben, die relativ einfach zu bewältigen sind. Er soll sehen, dass er etwas bewegen kann, dass sich die Führungsmittglieder ernsthaft mit seinen Vorschlägen auseinandersetzen. Es wird Enttäuschungen geben, ohne Zweifel, aber wenn ein Verein konsequent junge Funktionäre fördert, dann sind die Chancen, dass scheidende Funktionäre gleichwertig ersetzt werden können wesentlich grösser als in Vereinen, in denen keine Förderung sattfindet.

Wenn es den Vereinen gelingt, mehr Funktionäre zu rekrutieren, dann wird das Vereinssterben rasch zu Ende gehen. Der Ball liegt also wieder einmal bei den Vereinen….

Um Himmels Willen, noch ein Streethockeyblog! Braucht es das?

Es gibt das Täli-Blog, das SHC Aegerten-Biel Fanblog, das Nati-Blog und nicht zuletzt das umstrittenste aller Streethockeyblogs, das Blog von TvK. Wieso braucht es noch ein weiteres?

Nun, ob es noch eines braucht, weiss ich nicht. Um ehrlich zu sein, es interessiert mich auch nicht. Da es jedoch immer wieder das eine oder andere Thema im Streethockey gibt, zudem ich mich äussern möchte, die eine oder andere Episode, die ein breiteres Publikum interessieren könnte, starte nun auch ich ein Blog.
Ich habe nicht die Absicht, mich auf bestimmte Themen innerhalb des Streethockeys zu beschränken, ich werde – wenn ich die Zeit dazu finde – das schreiben, was geschrieben werden muss. Dinge die mich interessieren, die mir berichtenswert scheinen. Was ich hier in diesem Blog wiedergebe, sind meine Gedanken, meine Betrachtungsweisen, meine Analysen und meine Schlüsse. Man kann damit einverstanden sein oder nicht. Man kann sie in Frage stellen, versuchen, sie mit Argumenten zu widerlegen. Wer dieses Blog liest, der muss wissen, dass er hier keine Stellungnahmen des SHC Belpa 1107, der ISBHF, der Grünliberalen Partei Belp oder des Bundesamtes für Migration finden wird, sondern nur meine ganz persönlichen Ansichten zu verschiedensten Aspekten des Streethockeys.